Abschiebung
Abgelehnte Asylbewerber steigen in ein Flugzeug. Archivfoto: Daniel Maurer

Abgelehnte Asylbewerber steigen in ein Flugzeug. Archivfoto: Daniel Maurer

dpa

Abgelehnte Asylbewerber steigen in ein Flugzeug. Archivfoto: Daniel Maurer

Kabul. Ein vor einer Woche aus Deutschland abgeschobener afghanischer Asylbewerber hat sich nach seiner Rückkehr erhängt. Er sei am Dienstag in einer von der Internationalen Organisation für Migration (IOM) zur Verfügung gestellten vorübergehenden Unterkunft in Kabul aufgefunden worden, sagte ein hochrangiger Mitarbeiter des Flüchtlingsministeriums in Kabul der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch.

Der Mann aus der nordafghanischen Provinz Balkh sei 23 Jahre alt gewesen und habe acht Jahre lang in Deutschland gelebt, bevor er abgeschoben worden sei. Eine Quelle aus dem Kabuler Büro der IOM bestätigte die Darstellung. Man untersuche den Vorfall noch. Der Mann sei im Spinsar-Hotel gefunden worden, wo die IOM rückkehrenden Flüchtlingen, die nicht wissen wohin, für einige Tage Unterkunft gewährt.

Mit dem jüngsten Abschiebeflug aus Deutschland hatten Bund und Länder mit 69 Passagieren ungewöhnlich viele abgelehnte Asylbewerber abgeschoben. Allein Bayern hatte 51 Menschen zurückgeschickt. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte sich zufrieden über die hohe Zahl der Abgeschobenen geäußert.

Seehofer wird für Äußerung über den Abschiebeflug kritisiert

Die Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke hat nach dem Suizid eines abgeschobenen Afghanen ein Ende der Abschiebungen in das Land gefordert. «Die Lage dort wird immer schlimmer, aber Deutschland weitet die Abschiebungen aus. Es war nur eine Frage der Zeit, bis das tödliche Folgen hat», sagte die Innenpolitikerin der Linkspartei am Mittwoch.

«Vor dem Hintergrund dieses Selbstmordes wird die öffentlich geäußerte Freude Seehofers, an seinem 69. Geburtstag 69 Afghanen abgeschoben zu haben, umso widerwärtiger», fügte sie hinzu. Jelpke erklärte: «Wer nach Afghanistan abschiebt, tötet.» Seehofer habe «ganz offenbar ein unheilbares Defizit an Mitmenschlichkeit». Es sei höchste Zeit, dass Bundeskanzlerin Angela «Merkel den Mann rausschmeißt».

Innenminister Horst Seehofer hatte sich zufrieden am Dienstag über den jüngsten Abschiebeflug mit ungewöhnlich vielen Menschen nach Afghanistan an seinem Geburtstag gezeigt. «Ausgerechnet an meinem 69. Geburtstag sind 69 - das war von mir nicht so bestellt - Personen nach Afghanistan zurückgeführt worden. Das liegt weit über dem, was bisher üblich war», bemerkte der CSU-Chef am Dienstag bei der Vorstellung seines «Masterplans Migration» in Berlin. Seehofer will Abschiebungen forcieren und den Ländern dabei Hilfe des Bundes anbieten.

Flüchtlingsaktivisten von Pro Asyl und Bayerischem Flüchtlingsrat hatten kritisiert, dass die seit einem schweren Anschlag vor der deutschen Botschaft in Kabul geltende Selbstverpflichtung, nur Straftäter, terroristische Gefährder und sogenannte Identitätstäuscher abzuschieben, weggefallen sei. Selbst «gut integrierte Personen» würden nun abgeschoben. dpa

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