Änderung brächte dem Land Europas restriktivste Regelung. Tausende protestieren dagegen in der Hauptstadt Madrid.

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dpa

Madrid. Die Protestfront gegen das geplante Abtreibungsverbot in Spanien wird immer breiter.

Am Wochenende demonstrierten zehntausende Menschen in der spanischen Hauptstadt Madrid gegen den „Rückfall ins Mittelalter“ und „für das Recht der Frauen, über ihre Schwangerschaft frei zu entscheiden“.

Die Änderung des bisher geltenden Abtreibungsrechtes sei „ein Angriff auf die Freiheit“, riefen die Demonstranten. Sie forderten Spaniens konservativen Regierungschef Mariano Rajoy auf, das „frauenfeindliche“ Gesetz zurückzuziehen.

Konservative Mehrheit wird Gesetz wahrscheinlich verabschieden

Der Massenprotest richtet sich gegen einen Vorstoß der konservativen Regierung, mit welchem die bisherige Fristenlösung, bei der die Frauen in den ersten 14 Wochen frei über ihre Schwangerschaft entscheiden dürfen, eliminiert werden soll.

Soweit dieser Plan „zum Schutz des Lebens“ im Parlament demnächst verabschiedet wird, was bei der konservativen Mehrheit wahrscheinlich ist, bekäme Spanien das restriktivste Abtreibungsgesetz in seiner demokratischen Geschichte. Und zugleich wäre es eine der strengsten Normen in Europa, wo in den meisten Ländern Fristenregelungen gelten.

80 Prozent der Spanier sind gegen die Verschärfung

Auch wenn die Zahl der Abbrüche in Spanien zuletzt zurückging, wurden im Jahr 2012 immer noch 112 000 Abtreibungen registriert – mehr als in Deutschland, wo fast doppelt so viel Menschen leben. Spanien hat im EU-Vergleich eine der höchsten Abbruchraten Europas.

Soziologen begründen dies mit der mangelnden sexuellen Aufklärung in dem katholisch geprägten Land. Auch das Fehlen einer staatlichen Familienförderung erschwere die Entscheidung für den Nachwuchs.

Nach dem Gesetzesvorschlag soll Frauen nur noch in Ausnahmefällen der Abbruch erlaubt werden. Etwa nach Vergewaltigung oder bei „großen Gefahren für die Gesundheit“ der Frau.

Bei Missbildungen des Fötus will die Regierung nur dann eine Abtreibung genehmigen, wenn das geborene Kind keine Überlebenschance hätte. Diese Indikationen müssen von zwei Ärzten bescheinigt werden, zudem ist eine Beratung durch den staatlichen Sozialdienst vorgeschrieben.

Umfragen zufolge sind 80 Prozent der Spanier gegen diese Verschärfung des Abtreibungsgesetzes. Der umstrittene Plan hat sogar in der regierenden christdemokratischen Volkspartei von Ministerpräsident Rajoy einen tiefen Riss produziert. Etliche prominente Konservative sprachen sich offen gegen das Verbot aus.

Rajoy hatte das Anti-Abtreibungsgesetz als „ausgewogen“ verteidigt. Spaniens Bischöfe drängten schon länger darauf, dass die bisherige Entscheidungsfreiheit der Frauen abgeschafft wird.

Medizinische Fachverbände kritisieren das Verbot scharf: Keine Frau, die sich der Aufgabe als Mutter nicht gewachsen sehe, werde sich zum Austragen der Schwangerschaft zwingen lassen, heißt es. Mit der gesetzlichen Beschränkung werde man nur erreichen, dass verzweifelte Schwangere in illegale Kliniken oder in liberalere Nachbarländer ausweichen, um einen Abbruch durchführen zu lassen.

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