Während in Wolgograd Trauer herrscht, wird in Sotschi aufgerüstet. In fünf Wochen beginnen die Spiele.

Fotos zeigen die Opfer des Bombenanschlags am Wolgograder Hauptbahnhof. Ein Mann trauert um einen der zumeist jungen Toten.
Fotos zeigen die Opfer des Bombenanschlags am Wolgograder Hauptbahnhof. Ein Mann trauert um einen der zumeist jungen Toten.

Fotos zeigen die Opfer des Bombenanschlags am Wolgograder Hauptbahnhof. Ein Mann trauert um einen der zumeist jungen Toten.

Reuters

Fotos zeigen die Opfer des Bombenanschlags am Wolgograder Hauptbahnhof. Ein Mann trauert um einen der zumeist jungen Toten.

Wolgograd. Trauer und Trotz sprechen aus den Worten von Wladimir Putin, als er nach den Anschlägen in Wolgograd überraschend am Neujahrstag die südrussische „Heldenstadt“ besucht. In schneidendem Ton bekräftigt der Kremlchef seine Kampfansage an die Drahtzieher der blutigen Attentate.

Bis zu ihrer „völligen Vernichtung“ werde der Staat die Terroristen jagen, droht Putin. Wie auch immer die Verantwortlichen die Anschläge begründeten, es gebe „keine Rechtfertigung für Verbrechen gegen Zivilisten“, sagte Putin, dessen Äußerungen im Staatsfernsehen übertragen wurden. Der Präsident legte an einem der beiden Tatorte einen großen Blumenstrauß nieder.

Russlands starker Mann dürfte sich zu Jahresbeginn andere Bilder gewünscht haben: eine Skifahrt in Sotschi etwa, zur Einstimmung auf die Olympischen Winterspiele in nur fünf Wochen in dem russischen Schwarzmeer-Kurort. Stattdessen beherrscht der Bombenterror den Jahreswechsel.

Viele Städte im Riesenreich erhöhten drastisch die Sicherheitsvorkehrungen oder sagten Silvesterfeiern gleich ganz ab. Einmalig ist auch, dass der Ex-Geheimdienstchef Putin, der als Meister der Selbstinszenierung gilt, seine Neujahrsansprache ändern muss. Vor Tagen hat er im Moskauer Kreml-Garten einen TV-Clip aufzeichnen lassen, in dem er für 2014 Optimismus verbreitet und für die Winterspiele wirbt.

Doch nach den Anschlägen mit mindestens 34 Toten und 72 Verletzten bleibt der Spot ungesendet. „Das war eine Premiere“, sagt auch Kremlsprecher Dmitri Peskow. Eilig nimmt Putin eine neue Rede auf, in dem er sichere Spiele in Sotschi verspricht.

50 000 Sicherheitskräfte werden die Spiele absichern

Die Wettkämpfe gelten als Hauptziel der Anschläge, die sich zu Wochenbeginn im Bahnhof und in einem Bus in Wolgograd ereigneten. Islamisten aus dem Konfliktgebiet Nordkaukasus haben gedroht, die Spiele zu stören. Das Sport-Spektakel gilt als ein Prestigeprojekt Putins.

Etwa 50 000 Sicherheitskräfte will der Kreml in der Olympia-Region zusammenziehen – rund doppelt so viel wie 2012 bei den Spielen in London. Kriegsschiffe sollen vor der Schwarzmeerküste kreuzen, Drohnen die Luft überwachen und mehr als 1400 Videokameras allein in Sotschi jeden Winkel ausleuchten.

Zudem werden Telefon- und Internetverkehr gefiltert und Gäste der Spiele erstmals mit einem speziellen Zuschauerpass ausgestattet. „Dadurch wird jeder Besucher genau identifiziert“, sagt der Chef von Russlands Olympia-Komitee, Alexander Schukow. Kritiker beklagen eine „Totalüberwachung“.

Doch der Kreml hält die Vorwürfe für völlig unberechtigt. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 hätten die USA fünf Monate später ihre Olympischen Winterspiele in Salt Lake City genauso gesichert, sagt Putins Berater Juri Uschakow.

Das Weiße Haus habe Hubschrauber mit Wärmebildkameras, Sprengstoff-Roboter, Scharfschützen und mehrere Sperrgürtel aus Maschendrahtzaun eingesetzt. „Damals fanden das alle normal – nur in Sotschi sollen plötzlich solche Anti-Terror-Maßnahmen übertrieben sein“, klagt er.

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