Nach dem Anschlag an einer jüdischen Schule wird über das Motiv gerätselt. Der Täter gilt als „sehr entschlossen“.

Ermittlungen
Eine Frau begleitet geschockte Jugendliche vom Schulgelände weg. Insgesamt wurden vier Menschen getötet.

Eine Frau begleitet geschockte Jugendliche vom Schulgelände weg. Insgesamt wurden vier Menschen getötet.

dpa

Eine Frau begleitet geschockte Jugendliche vom Schulgelände weg. Insgesamt wurden vier Menschen getötet.

Paris. Das „Collège et Lycée Ozar Hatorah“ liegt mitten in einem Wohngebiet von Toulouse. An diesem Montagmorgen um kurz nach acht herrscht am Haupteingang das übliche Gedrängel. Eltern verabschieden sich von ihren Kindern – eilige Wangenküsschen hier, aufmunternde „bonne journée“-Wünsche dort. In diesem Augenblick prescht der Killer mit seinem Motorroller heran.

Zuerst feuert er aus einer 9-Millimeter-Pistole wahllos auf die Wehrlosen. Panik bricht aus. Wer kann, versucht sich ins Gebäude zu retten. Doch der Pistolenschütze, ein Mann, den der Toulouser Staatsanwalt Michel Valet später als „sehr kräftig, sehr entschlossen und sehr kaltblütig“ beschreiben wird, setzt den Flüchtenden nach.

Unter den Toten sind ein Erwachsener und drei Kinder

Im Gebäude zückt der Attentäter, dessen Gesicht hinter dem Helm verborgen bleibt, seine zweite Waffe, eine Automatikpistole mit dem großen Kaliber 11.43. Wieder eröffnet er das Feuer, danach steigt er auf seinen Motorroller und verschwindet.

Die schreckliche Bilanz: vier Tote, darunter ein franko-israelischer Religionslehrer (30), seine drei und sechs Jahre alten Kinder sowie ein zehnjähriges Mädchen. Ein 17-Jähriger wird schwer verletzt. Die schreckliche Nachricht verbreitet sich innerhalb der jüdischen Gemeinde von Toulouse in Windeseile. Jonathan Hayou, Präsident der Jüdischen Studentenvereinigung, spricht von einem „Akt der Barbarei“ und einer „antisemitischen Tat“.

Der Präsident und sein Herausforderer eilten nach Toulouse

Frankreich steht unter Schock. Sogar der Wahlkampf kommt an diesem schwarzen Montag zum Erliegen. Der Präsident und sein sozialistischer Herausforderer François Hollande fliegen sofort nach Toulouse. Präsident Nicolas Sarkozy ordnet für heute eine Schweigeminute in allen französischen Schulen an.

Als die Fahnder die Patronenhülsen inspizieren, beschleicht sie ein beklemmender Verdacht. Denn mit Pistolen desselben Kalibers wurden in der vergangenen Woche bereits drei Soldaten getötet. Am 11. März hatte ein Unbekannter in Toulouse einen 30 Jahre alten Fallschirmjäger mit einem gezielten Schuss in den Kopf hingerichtet. Zeugen erinnerten sich, dass er mit einem Motorroller flüchtete.

Auf drei Soldaten wurde geschossen, als sie einkaufen wollten

Am vergangenen Donnerstag lauerte er im 50 Kilometer entfernten Montauban drei Soldaten des 17. Fallschirmjäger-Regiments auf, die in einer Bäckerei einkauften. Am Tag starben ein 24 und ein 26 Jahre alter Soldat, ihr 28 Jahre alter Kamerad ringt weiter mit dem Tod. Wieder sahen Zeugen einen Täter auf einem Roller davonfahren.

Eine erste Spur führt zu ehemaligen Soldaten mit rechtem Hintergrund

Ein rassistischer Hintergrund der Taten ist nicht ausgeschlossen. Bei zwei getöteten Soldaten handelt es sich um Söhne nordafrikanischer Einwanderer, der schwer verletzte Soldat von den Antillen ist dunkelhäutig.

Das Politmagazin „lepoint.fr“ berichtet von einer vagen Spur. 2008 habe es im 17. Fallschirmjägerregiment neonazistische Vorfälle gegeben, daraufhin seien drei Soldaten entlassen worden, die einer Neonazi-Gruppe nahestanden. Nach ihnen wird gefahndet.

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