Ariel Scharon galt als umstrittenster Politiker Israels. Seine späte Vision vom Frieden mit den Palästinensern konnte er nicht umsetzen.

Ariel Scharon (2005 beim Chanukka-Fest) wünschte sich am Ende seiner politischen Karriere Frieden.
Ariel Scharon (2005 beim Chanukka-Fest) wünschte sich am Ende seiner politischen Karriere Frieden.

Ariel Scharon (2005 beim Chanukka-Fest) wünschte sich am Ende seiner politischen Karriere Frieden.

dpa

Ariel Scharon (2005 beim Chanukka-Fest) wünschte sich am Ende seiner politischen Karriere Frieden.

Jerusalem. Schweigend und gefasst ziehen die Menschen an dem schlichten, in eine israelische Flagge gehüllten, Sarg vorbei.

Ariel Scharon, am Samstag im Alter von 85 Jahren gestorbener früherer Ministerpräsident, ist vor der Knesset, dem israelischen Parlament in Jerusalem, aufgebahrt.

Doch niemand bricht in Tränen aus, niemand fällt in Ohnmacht oder muss in tiefer Trauer gestützt werden. Zu lange hat Scharon im Koma gelegen, acht Jahre, der Tod kam nicht mehr überraschend.

Dennoch ist vielen Menschen schwer ums Herz, egal, ob sie Scharons Politik nun richtig fanden oder nicht. „Ich bin einfach hier, weil ich ihn liebte“, sagt der 31-jährige Scharon Waknin. „Den tapferen Soldaten und den Politiker.“

Er ist mit dem Bus von Latrun aus nach Jerusalem gekommen. „Schon meine Eltern verehrten Scharon, deshalb haben sie mir meinen Namen gegeben“, erzählt er. „Meinen Sohn habe ich Ariel genannt“, fügt er hinzu und lächelt schüchtern.

2000 löste Scharons Besuch am Tempelberg die zweite Intifada aus

Scharon hinterlässt seinem Land ein schwieriges Erbe, denn keines der politischen Lager in Israel sieht sich wirklich in der Tradition des mit 85 Jahren gestorben Politikers. Er galt als Querkopf, der oft allein entschied.

Dies brachte ihm den Beinamen „Bulldozer“ ein. Von 2001 an war er Regierungschef. Den Palästinenseraufstand, die zweite Intifada, die er im Jahr 2000 durch seinen Besuch des Muslimen und Juden heiligen Tempelberges in Jerusalem mit ausgelöst hatte, ließ er als Regierungschef niederschlagen.

Dann ordnete er den Bau der Sperranlage zum Westjordanland an. Die Palästinenser haben ihm das bis heute nicht verziehen. Auf Scharon warte nun die Gottes Strafe, sagte das führende Fatah-Mitglied Dschamal Muhessen: „Er wird für seine Verbrechen bestraft werden, vor allem für Sabra und Schatila.“

Während des Libanon-Krieges hatten mit Israel verbündete libanesische Milizen 1982 Hunderte Palästinenser in den Flüchtlingslagern Sabra und Schatila ermordet. Die israelische Armee, die damals Beirut besetzt und die Lager umzingelt hatte, sah dem Massaker tatenlos zu. Viele geben Scharon daran die Mit- wenn nicht gar die Hauptschuld. Ein Jahr später, 1983, musste er sein Amt als Verteidigungsminister aufgeben.

Er kämpfte im Sechs-Tage-Krieg und wurde später zum Kriegshelden

Der dunkelste Schatten über der Karriere des einstigen Kriegshelden. Schon früh schlug der am 26. Februar 1928 in Kfar Malal bei Tel Aviv als Sohn jüdischer Einwanderer aus Osteuropa geborene Scharon die militärische Laufbahn ein. 1967 nahm er unter anderem am Sechs-Tage-Krieg teil.

Ruhm brachte ihm aber sein Einsatz im Jom-Kippur-Krieg, als seine Panzerdivision über den Suez-Kanal bis fast vor die Tore Kairos führte. Damit bewahrte er die raelische Armee gegen die fast unausweichlich erschiene Niederlage gegen die vereinigten Truppen aus Ägypten und Syrien.

In der Siedlungspolitik wagte er die Kehrtwende und machte sich Feinde

Der gefeierte Kriegsheld machte sich aber auch im eigenen Land viele Feinde. Ausgerechnet der Hardliner in Sachen Siedlungsbau wagte 2005 die Rolle Rückwärts und setzte den Rückzug aus dem Gazastreifen durch.

Eine Entscheidung, die schließlich zum Bruch mit politischen Weggefährten führte: Scharon verließ im Streit den von ihm mitbegründeten rechtsorientierten Likud-Block – und gründete im selben Jahr die Partei der Mitte, Kadima.

Fast wirkt es wie ein Fazit, was das Lehrerehepaar Eti und Ariel an Scharons Sarg sagt. „Ich fand vieles an seiner Politik falsch, aber ich bewundere ihn trotzdem“, sagt Eti. Und Ariel ergänzt: „Zum Schluss seines politischen Lebens hat er die richtigen Einsichten gehabt und sie dann auch umgesetzt.“

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