Barack Obama
Barack Obama: «Amerika ist eine Nation, die aufrecht und unerschrocken steht. Nichts kann uns je brechen.» Foto: Timothy A. Clary

Barack Obama: «Amerika ist eine Nation, die aufrecht und unerschrocken steht. Nichts kann uns je brechen.» Foto: Timothy A. Clary

Das National September 11 Memorial Museum wurde eröffnet. Foto: Justin Lane

Überbleibsel. Foto: Justin Lane

Robert De Niro ist bei der Zeremonie dabei. Foto: Richard Drew

Strahlträger des World Trade Center. Foto: Timothy A. Clary

dpa, Bild 1 von 5

Barack Obama: «Amerika ist eine Nation, die aufrecht und unerschrocken steht. Nichts kann uns je brechen.» Foto: Timothy A. Clary

New York (dpa) - Joe Daniels ahnte es schon vor drei Jahren: «Wir werden es nicht allen recht machen können, es wird Kritik geben», sagte der Präsident des Museums zur Erinnerung an die Anschläge vom 11. September 2001. Es klang resignierend und entschlossen zugleich.

Jetzt wurde die Gedenkstätte für die fast 3000 Opfer eröffnet, der Präsident war da - und dennoch gab es auch Kritik. Die kommt von den Opfern ebenso sehr wie von denen, die sich zu Tätern gemacht fühlen.

Vor 13 Jahren standen an der Stelle noch zwei gewaltige Türme, jeder mehr als 400 Meter hoch. Nachdem zwei von Islamisten entführte Passagierflugzeuge voller Menschen in die Hochhäuser gelenkt wurden, stürzten die Symbole für New Yorks Erhabenheit, Erfolg und vielleicht auch Übermut zusammen und begruben 2753 Menschen unter sich. Eigentlich waren es noch ein paar mehr, denn hinter den Namen einiger Opfer steht auf dem Mahnmal heute ein «... und ihr ungeborenes Kind».

Eines der Opfer hieß Welles Crowther. US-Präsident Barack Obama erzählte dessen Geschichte. Von dem 24-jährigen New Yorker, der die Anschläge selbst überlebt hatte, aber immer wieder andere aus dem Südturm holte. Nachdem der junge Mann ein Dutzend Menschen gerettet hatte, sein rotes Taschentuch als Erkennungszeichen auf dem Kopf, stürzte der Turm zusammen und begrub auch Crowther unter sich.

«Wir könnten nicht stolzer auf unseren Sohn sein», sagte seine Mutter, und der Vater schluchzte noch mehr als sie. «Er glaubte, dass alle Menschen eine Familie sind, auf die man achtgeben, der man helfen muss.» Eines der Taschentücher ihres Sohnes ist nun im Museum. «Wir hoffen so sehr, dass Menschen aus der ganzen Welt es sehen und sich erinnern, wir er damals geholfen hat - und selbst helfen werden.»

Das gut 10 000 Quadratmeter große Museum wird eine Woche lang den Familien vorbehalten bleiben. Danach ist es für alle offen - nach einer Kontrolle wie am Flughafen. Hinter den Metalldetektoren soll es ein leises Museum sein. Gleich zu Beginn ist ein Raum mit Tausenden Fotos lächelnder Gesichter zu sehen, so wie sie auch auf Nachtschränken, Schreibtischen und in Wohnzimmern der Angehörigen zu sehen sind.

Das Gebäude, das den Besucher mehr als 20 Meter unter die Erde führt, ist zum größten Teil in schattenhaftes Licht getaucht. Reste des Fundaments sind zu sehen, zerstörte Stahlträger und immer wieder Bilder vom 11. September und den Tagen danach.

Das 700 Millionen Dollar teure Museum, um dessen Finanzierung jahrelang gestritten wurde, hat auch seine Helden. Neben den Überlebenden sind das vor allem die Feuerwehrmänner, die vor dem Inferno nicht weg-, sondern mitten hineinrannten, um zu helfen. Wie viele genau sie gerettet haben, weiß keiner. Dafür ist die Zahl der getöteten Feuerwehrleute bekannt: 343. Einige Feuerwachen verloren ihr komplettes Personal.

Aber einige Hinterbliebene sind wütend. Besonders darüber, dass kleinste Überreste von nicht identifizierten Opfern, wie zum Beispiel Zähne, in einen unterirdischen Raum des Museums gebracht wurden. Ihre Familienangehörigen seien keine Museumsexponate, lautet die bittere Klage. Die Beteuerung des Museumspräsidenten Daniels, dass die Überreste mit größtem Respekt behandelt und nicht etwa ausgestellt würden, half wenig.

Zudem fühlen sich viele Muslime durch einen sieben Minuten langen Film verletzt. Die Dokumentation «Der Aufstieg Al-Kaidas» rücke den Islam in die Nähe der Anschläge, heißt es. «Nach unserem Gefühl enthält der Film eine unglückliche Botschaft gegenüber dem Islam», sagte Zead Ramadan, Vertreter einer muslimischen Organisation. Millionen würden denken, der Islam sei für die Anschläge verantwortlich. Daniels bestreitet das gegenüber CNN: «Niemand, der die Ausstellung kennt, wird denken, dass wir eine Religion beschuldigen wollen.»

Ada Dolch war eine der wenigen Hinterbliebenen, die am Donnerstag lächelte. «Ja, ich habe meine Schwester verloren», sagte sie. «Aber wir haben in ihrem Andenken eine Schule gebaut - in Afghanistan, direkt unter der Nase der Terroristen. Ich bin sicher, dass sie jetzt von irgendwo auf uns herunterguckt und darüber lacht.»

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