Das Verteidigungsministerium stritt zunächst alle Vorwürfe ab.

Sicherheitsbeauftragte inspizieren die ausgebrannten Tanklastzüge in Kundus nach dem Luftangriff vom 4. September.
Sicherheitsbeauftragte inspizieren die ausgebrannten Tanklastzüge in Kundus nach dem Luftangriff vom 4. September.

Sicherheitsbeauftragte inspizieren die ausgebrannten Tanklastzüge in Kundus nach dem Luftangriff vom 4. September.

dpa

Sicherheitsbeauftragte inspizieren die ausgebrannten Tanklastzüge in Kundus nach dem Luftangriff vom 4. September.

Berlin. Nach dem Angriff auf zwei gekaperte Tanklastzüge in Afghanistan herrschte von Beginn an Verwirrung. Von 50 getöteten Aufständischen berichtete das Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Kundus unmittelbar nach dem Luftschlag Anfang September. Der Gouverneur der Provinz Kundus, Mohammed Omar, gab die Zahl der Getöteten dagegen mit 90 an, die Hälfte davon seien Zivilisten.

4. September: Das Verteidigungsministerium hält an der Version der Bundeswehr fest. "Unbeteiligte sind nach derzeitigem Kenntnisstand nicht zu Schaden gekommen", betont ein Sprecher. Doch schon bald kommen Zweifel auf: "Es ist möglich, dass es auch zivile Opfer gab", sagt Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen. Das Ministerium hält dagegen: "Sie können davon ausgehen, dass der Angriff angeordnet wurde, weil keine unbeteiligten Zivilpersonen durch den Angriff hätten zu Schaden kommen können", sagt Sprecher Thomas Raabe.

5. September: Einen Tag nach dem Angriff sagt Minister Jung, es gebe weiterhin keine Erkenntnisse, dass bei dem Angriff auch Zivilisten getötet worden seien.

7. September: Der Gouverneur des afghanischen Distrikts Char Darah spricht von 135 Toten, darunter seien auch Kinder. Das Ministerium in Berlin bleibt jedoch bei seiner Version. Kurz darauf wendet sich das Blatt: Jung räumt erstmals ein, dass auch Zivilisten unter den Opfern des Luftschlags sein könnten.

12. September: Eine Woche nach dem Vorfall meldet sich erstmals der ranghöchste deutsche Soldat, Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan, zu Wort und verteidigt die Bombardierung.

17. September: Nach Abschluss der afghanischen Untersuchung spricht Präsident Hamid Karsai erneut von einem Fehler: "Der Vorfall ist sehr bedauerlich, denn wir haben zu viele Zivilisten verloren." Nach Angaben aus Kabul wurden bei dem Luftangriff 99Menschen getötet, darunter 69Taliban und 30 Zivilisten.

29. Oktober: Die Nato legt dem Bundesverteidigungsministerium ihren Bericht vor. Die genaue Opferzahl sei nicht mehr genau zu ermitteln, heißt es. Unter Berufung auf Informationen aus der internationalen Afghanistan-Schutztruppe Isaf berichten Verteidigungspolitiker und Medien, Oberst Klein habe gegen deren Regeln verstoßen und die Bombardierung im Alleingang ohne Vorwarnung für die Taliban angeordnet. Dabei seien zwischen 17 und 142 Menschen getötet worden - unter ihnen bis zu 40Zivilisten, melden verschiedene Quellen. "Das bestätigt nicht, dass durch den Luftschlag unbeteiligte Personen getötet wurden", sagt Schneiderhan. Oberst Klein und die deutschen Soldaten hätten militärisch angemessen gehandelt.

6. November: Auch der neue Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) nennt den Angriff zunächst "angemessen". Nach dem Studium des Geheimberichts der Nato habe er keinen Zweifel an der Einschätzung Schneiderhans.

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