Helfer des Attentäters waren Ex-Häftlinge. Kehren entlassene Gefangene künftig als Terroristen in die USA zurück?

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Barack Obama ordnete die Schließung von Guantanamo an - jetzt steht hinter diesem Vorhaben aber ein dickes Fragezeichen.

Barack Obama ordnete die Schließung von Guantanamo an - jetzt steht hinter diesem Vorhaben aber ein dickes Fragezeichen.

dpa

Barack Obama ordnete die Schließung von Guantanamo an - jetzt steht hinter diesem Vorhaben aber ein dickes Fragezeichen.

Washington. Es ist Barack Obamas heiligstes Versprechen. Keine 24 Stunden hat er nach seiner Amtsübernahme gezögert, um die Schließung Guantanamos anzuordnen. Innerhalb eines Jahres sollte der Schandfleck der Bush-Ära beseitigt sein. Nicht nur sogenannte Gutmenschen klatschten Beifall - das US-Gefangenenlager auf Kuba gilt als hässliches Symbol für die Missachtung der Menschenrechte. Doch das vereitelte Flugzeug-Attentat des Nigerianers Omar Farouk Abdulmutallab stellt die Schließung in Frage.

Die Enthüllungen des Senders ABC, dass zwei der vier Drahtzieher des Attentats ehemalige Guantanamo-Insassen seien, setzen den US-Präsidenten unter Druck. "Häftling Nummer 333" und "Häftling Nummer 372", beide aus Saudi-Arabien, wurden Regierungsbeamten zufolge 2007 in ihre Heimat überstellt. Doch statt Reue zu zeigen, hätten sie Führungsrollen im El-Kaida-Terrornetz im Jemen übernommen.

Dort soll das Attentat geplant worden sein, dort soll der Attentäter den Sprengstoff erhalten haben. Ohnehin gilt das von Rebellen und Revolten zerrissene Land seit längerem als Brutstätte radikaler Islamisten.

Das Problem: Rund 90 der 198 Häftlinge, die derzeit noch auf Kuba einsitzen, sind Jemeniten - und nach Obamas Schließungskonzept sollen viele von ihnen in ihre Heimat zurückdürfen. Nach Angaben der "Washington Post" erhielten bereits 34 Jemeniten grünes Licht zur Rückkehr. Guantanamo-Häftlinge als freie Männer zurück in ihre Heimat - nach der Beinahe-Katastrophe von Detroit sehen da nicht nur eingefleischte Republikaner rot.

Opposition: Zurück in den Jemen heißt "zurück auf das Schlachtfeld"

"Wenn jetzt Leute in den Jemen zurückgeschickt werden, ist das nicht nur eine schlechte Idee, es wäre schlichtweg dümmlich", wettert der republikanische Abgeordnete Pete Hoekstra. Zurück in den Jemen sei lediglich ein anderes Wort für "zurück auf das Schlachtfeld". Ähnlich sieht das sein demokratischer Kollege Bennie Thompson: "Mehr Leute in den Jemen zu schicken, ginge wohl etwas zu weit." Das Ganze müsse noch einmal von Grund auf überdacht werden.

Rund 215 Menschen werden in dem US-Lager auf Kuba noch festgehalten. Mehr als 100 sollten in den kommenden Monaten entlassen werden. Allerdings gibt es Probleme, da sich einige der Heimatländer weigern, die Häftlinge aufzunehmen. In anderen wiederum drohen ihnen Menschenrechtsverletzungen, so dass Drittstaaten zur Aufnahme dieser Häftlinge gesucht werden. Ursprünglich wollte Obama die Schließung bis Januar 2010 durchgeführt haben.
Die restlichen rund 100 Häftlinge sollen in ein Gefängnis in den USA verlegt und dort vor Gerichte gestellt werden.

Schon warnt ein Nahost-Experte der Regierung, das Attentat von Detroit würde es "sehr schwer machen", weitere Guantanamo-Insassen zurückzuschicken. Das Dilemma: Auch ein Fortbestehen des Lagers kann kaum im Sicherheitsinteresse der USA liegen - allein der Image-Schaden der USA in islamischen Ländern gilt als verheerend.

Regierungsexperten warnen, El Kaida nutze Guantanamo als Argument, neue Kämpfer zu mobilisieren. Tatsächlich sind die Häftlinge dort völlig rechtlos, Freigelassene sprechen von Folter - bessere Werbung für ihren "Feldzug" gegen Amerika kann sich El Kaida kaum wünschen.

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