Eine Splittergruppe der IRA torpediert den Friedensprozess. Rückhalt hat sie nicht.

Ermittler untersuchen den Ort, an dem der Familienvater mit einem Kopfschuss getötet worden ist.
Ermittler untersuchen den Ort, an dem der Familienvater mit einem Kopfschuss getötet worden ist.

Ermittler untersuchen den Ort, an dem der Familienvater mit einem Kopfschuss getötet worden ist.

dpa

Ermittler untersuchen den Ort, an dem der Familienvater mit einem Kopfschuss getötet worden ist.

London. Der Terror ist zurück in Nordirland: Nur 48Stunden konnten die leidgeprüften Menschen in der einstigen britischen Krisenregion hoffen, dass das Attentat von Samstag auf eine britische Kaserne mit zwei toten Soldaten ein Einzelfall blieb. Doch schon am Montagabend gerät ein Polizist in einen Hinterhalt und wird mit einem Kopfschuss niedergestreckt. Wie schon beim ersten Anschlag bekennt sich eine Splittergruppe der einstigen Terrororganisation IRA zu der feigen Bluttat. Die tödlichen Schüsse auf den Familienvater (48) strafen diejenigen Politiker Lügen, die nach dem ersten Anschlag überzeugt waren, dass die Terroristen nicht die Möglichkeit zu weiteren Attentaten hätten.

Attentäter wollen eine Abspaltung Nordirlands von Großbritannien

Zwölf Jahre ist es her, dass im Kampf zwischen pro-irischen Katholiken und pro-britischen Protestanten Polizisten in Nordirland ermordet wurden. Im Juni 1997 erschossen katholische Extremisten zwei Beamten in Lurgan in der Grafschaft Armagh. Keine fünf Kilometer von dem damaligen Tatort entfernt liegt nun wieder die Leiche eines Polizisten mit blutender Kopfwunde auf der Straße. Es wiederholen sich Szenen, die mit dem Friedensabkommen von vor elf Jahren in Nordirland eigentlich der Vergangenheit angehören sollten.

Nach der "Real IRA" (wahre IRA), die die Verantwortung für den Anschlag auf die Kaserne übernommen hatte, bekannte sich nun die "Continuity IRA" (beständige IRA) zu den tödlichen Schüssen auf den Polizisten Stephen Paul Carroll. Die Attentäter wollen den Friedensprozess bekämpfen und eine Abspaltung Nordirlands von Großbritannien mit Waffengewalt durchsetzen. "So lange sich Großbritannien in Irland einmischt, werden diese Attacken weitergehen", ließ die "Continuity IRA" die Öffentlichkeit wissen.

Doch bei der Masse der Menschen genießen die Terroristen keinen Rückhalt. "Entsetzlich, schockierend, schrecklich", lauten die Reaktionen fassungsloser Passanten. Die meisten von ihnen erinnern sich noch zu gut an die Zeit, als in der britischen Region mehr als 3500Menschen im Kampf zwischen Katholiken und Protestanten starben. Und es ist dieser fehlende Rückhalt, auf den Politiker aller Lager setzen. Über alle Parteigrenzen hinweg riefen sie die Menschen auf, den Ermittlern bei der Suche nach den Attentätern zu helfen.

Bei den Terrorzellen handelt es sich nach Einschätzung von Experten um kleine Gruppen, die mitunter nur aus ein oder zwei Familien bestehen, insgesamt vielleicht 100 Mann umfassen und wenig Erfahrung mit dem bewaffneten Kampf haben. Die Kaltblütigkeit der Anschläge lässt allerdings vermuten, dass sie ehemalige IRA-Kämpfer mit ins Boot genommen haben. Dieser harte Kern der Extremisten fühlt sich vom Weg des Friedens der katholischen Sinn-Fein-Partei, die lange Zeit der politische Arm der IRA war, betrogen.

Und die Terroristen scheren sich weder um die politische Realität noch um den fehlenden Rückhalt in der Bevölkerung. "Es ist ihnen vollkommen egal, ob sie unterstützt werden, oder nicht", sagte Terror-Experte Kevin Toolis. Wichtig sei es daher, dass die Politik sich besonnen zeige und nicht überreagiere.

Sinn-Fein-Partei verurteilt die Attentate der Terroristen

Politische Rückendeckung haben die Terroristen nicht zu erwarten. Das gilt - zumindest nach außen hin - auch für die Sinn-Fein-Partei, die nach wie vor für ein vereinigtes Irland steht. Deutliche Worte fand deren Politiker und Vize-Ministerpräsident Martin McGuinness: "Diese Menschen haben Irland betrogen. Sie haben die politischen Wünsche, Hoffnungen und Sehnsüchte aller Menschen auf der Insel verraten. Ihnen gebührt keine Unterstützung." Und der nordirische Ministerpräsident Peter Robinson schloss eine Kampfansage an: "Das ist ein Kampf des Willens zwischen der politischen Klasse und den boshaften Attentätern - die politische Klasse wird siegen."

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