Angesichts der Enthüllungen über eine zweite Uran-Anlage schließt Präsident Barack Obama Luftschläge nicht mehr aus.

Washington. Nachdem der Atomstreit mit Iran den Schlusstag des Weltfinanzgipfels in Pittsburgh überschattet hatte, zeichnet sich nun eine drastische Wende in der amerikanischen Politik gegenüber Teheran ab.

Zwar setzt US-Präsident Barack Obama nach wie vor auf eine diplomatische Lösung des Konflikts. Doch nach der jüngsten Provokation durch den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad will das Weiße Haus Luftangriffe auf die Nuklearanlagen nicht mehr ausschließen.

Nachdem sein Vorgänger George W. Bush immer wieder mit der Möglichkeit eines Militärschlags gegen Irans Nuklearanlagen gedroht hatte, versprach Obama einen Kurswechsel.

Ohne die Gefahr einer Atommacht Iran zu unterschätzen oder herunterzuspielen, gab er sich zuversichtlich, dass Ahmadinedschad auf dem Verhandlungswege überredet werden könnte, UN-Resolutionen zu respektieren und Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA ungehinderten Zutritt zu den Produktionsanlagen zu gewähren.

Anlässlich seiner jüngsten Rede vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen bekräftigte der US-Präsident, dass das Regime in Teheran die Beschlüsse des Weltsicherheitsrats einhalten müsse. Ansonsten drohe eine Verschärfung der Wirtschaftssanktionen, nicht aber ein Militäreinsatz.

Nachdem am Freitag aber bekannt wurde, dass Iran an einer neuen unterirdischen Anlage zur Urananreicherung arbeitet, die bereits in eineinhalb Jahren den Betrieb aufnehmen könnte, signalisierte Obama einen Kurswechsel. "Irans Führung muss sich nun entscheiden, ob sie ihrer Verantwortung gerecht wird und Integration in die Staatengemeinschaft anstrebt, oder sich stattdessen wachsendem Druck und zunehmender Isolierung aussetzt" erklärte Obama am Samstag in seiner wöchentlichen Rundfunkansprache.

Zum ersten Mal seit Obamas Amtsantritt, so wird von Regierungskreisen in Washington bestätigt, "ist wieder jede Option auf dem Tisch", dazu zähle auch die Möglichkeit eines Luftangriffs auf die Produktionsstätten.

Besonders irritiert ist Obama über Irans Vorpreschen aus zwei Gründen: Zum einen, weil er glaubte, mit dem Verzicht auf den US-Raketenschild in Tschechien und Polen eine versöhnliche Geste gesetzt zu haben, zum anderen, weil Ahmadinedschad offenbar darauf abzielte, die beim G-20-Treffen erzielten Erfolge bei der Finanzmarktregulierung aus dem Schlaglicht zu verdrängen.

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