Die Union ist empört über den Umweltminister, der Kernenergie für ein Auslaufmodell hält.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) beim UN-Weltklimagipfel im Dezember in Kopenhagen.
Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) beim UN-Weltklimagipfel im Dezember in Kopenhagen.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) beim UN-Weltklimagipfel im Dezember in Kopenhagen.

dpa

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) beim UN-Weltklimagipfel im Dezember in Kopenhagen.

Berlin. Die Opposition wurde in diesem Fall gar nicht gebraucht. Schrille Gegenreden produzierten die Parteifreunde schon selbst. Als "sprachlos über so viel Unfug" beschrieb sich der stellvertretende Vorsitzende der CDU/ CSU-Bundestagsfraktion, Michael Kretschmer (CDU). Michael Fuchs, ebenfalls CDU und Fraktionsvize, sekundierte: Von "Willkür" sprach der Mittelständler. Gemeint war der von der CDU gestellte Bundesumweltminister Norbert Röttgen.

Der 44-jährige Rheinländer hatte seiner Partei per Interview empfohlen, sich möglichst bald von der Atomkraft zu verabschieden. Die Union müsse sich "gut überlegen, ob sie gerade die Kernenergie zu einem Alleinstellungsmerkmal machen will", sagte Röttgen - und wies daraufhin, dass die Kernenergie auch nach 40 Jahren in der Bevölkerung nicht hinreichend akzeptiert werde.

Im Koalitionsvertrag von CDU/ CSU und FDP haben die Parteien ein neues Energiekonzept vereinbart. Dies will die Bundesregierung bis zum Herbst vorlegen. Der Weiterbetrieb älterer Atomanlagen, die staatliche Abschöpfung von Gewinnen der Stromerzeugung aus Kernkraft zur Förderung erneuerbarer Energien sind Stichworte, die seit längerem in der Diskussion sind.

Im Jahr 2040 soll die Epoche der Atomenergie endgültig vorbei sein

Nun hat Röttgen ein wenig den Schleier gelüftet. Die Laufzeit der Atomkraftwerke soll im Vergleich zu den Vereinbarungen der rot-grünen Vorgängerregierung um acht Jahre verlängert werden. Mehr als 40 Jahre Gesamtlaufzeit will Röttgen den Meilern aber nicht zugestehen. Danach sollen erneuerbare Energien den Anteil des Atomstroms wett- und Deutschland mit den Atomkraftwerken Schluss machen.

"Wir wollen die Kernkraft ablösen", sagt der Minister. Derzeit haben die Erneuerbaren nach seinen Worten einen Anteil von 16 Prozent an der Stromerzeugung, die Atomkaftwerke 23. Bei 40 Prozent Anteil von Wind-, Wasser-, Sonnenkraft und Co. sollen die Meiler überflüssig sein.

Prinzip des Ausstiegs aus der Atomkraft unter Schwarz-Gelb ist das "dynamische Ersetzen". Die Kernkraftwerke laufen nur so lange, bis der Ausbau der erneuerbaren Energien sie überflüssig macht. Grundlage der Überlegungen sollen Energieszenarien sein, die Umweltminister Röttgen und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) gemeinsam berechnen lassen. Bis zum Herbst will die Regierung ein energiepolitisches Gesamtkonzept verabschieden, in dem auch die im Koalitionsvertrag angekündigte Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke geregelt werden soll.

Das FDP-geführte Bundeswirtschaftsministerium lässt nach Medienberichten neueste Reaktortypen erforschen. Auch der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) betonte mehrfach, neue Atomkraftwerke seien eine realistische Option. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hingegen schloss nach der Bundestagswahl einen Neubau von Kernkraftwerken "kategorisch" aus.

Das sieht Fuchs anders. "Volkswirtschaftlich ist es einen großer Schaden, funktionierende Kernkraftwerke abzuschalten, die weder durch ,Vogelschredderanlagen’ (Windkraft) noch durch ,Subventionsgräber’ (Solarzellen) ersetzbar sind", sagt er. "Sichere Kernkraftwerke können weiterlaufen, und zwar nicht nur 40 Jahre, wie Röttgen willkürlich festlegt, sondern 60 Jahre wie in den USA, oder noch länger."

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