Der Sparzwang vieler deutscher Kommunen führt zu großen Unterschieden bei den Kindergartengebühren.

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Im Bundesdurchschnitt sind die Kindergartenkosten im Vergleich zum Jahr 2008 zwischen 12 und 16 Prozent gesunken. Doch nicht alle Eltern profitieren von dieser Tendenz.

Im Bundesdurchschnitt sind die Kindergartenkosten im Vergleich zum Jahr 2008 zwischen 12 und 16 Prozent gesunken. Doch nicht alle Eltern profitieren von dieser Tendenz.

dpa

Im Bundesdurchschnitt sind die Kindergartenkosten im Vergleich zum Jahr 2008 zwischen 12 und 16 Prozent gesunken. Doch nicht alle Eltern profitieren von dieser Tendenz.

Berlin. Wohl der besserverdienenden Modellfamilie, die ein Kind hat und in Düsseldorf wohnt: In der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt muss sie für einen Kindergartenplatz keinen Cent bezahlen. Vor zwei Jahren waren es 2400 Euro im Jahr.

Keine Großstadt schröpft junge Eltern mehr als Duisburg

Wehe aber der Jungfamilie, die 30 Kilometer weiter in Duisburg wohnt. Hier muss sie für den Kindergartenplatz 2520 Euro berappen, 432 Euro mehr als noch 2008. Keine Großstadt bittet junge Eltern stärker zur Kasse. Dies geht aus dem Kindergartenmonitor 2010 hervor, den die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) am Montag vorgestellt hat.

Demnach gibt es nach wie vor gravierende Unterschiede bei den Kindergartenkosten zwischen den Städten. Im Bundesschnitt sind sie aber verglichen mit der letzten Erhebung von 2008 je nach Modellrechnung zwischen zwölf und 16 Prozent gesunken.

So muss eine Normalverdienerfamilie mit einem Kind (Jahresgehalt 45 000 Euro brutto) im Schnitt 814 Euro für einen Kindergartenplatz bezahlen und bei zwei Kindern 935 Euro. Besserverdiener (80 000 Euro) müssen 1280 Euro beziehungsweise 1468 Euro berappen. "An dem Gebührendschungel hat sich seit dem ersten Kindergartenmonitor nichts geändert", sagte INSM-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr.

Neun von 100 Städten verlangen keine Kindergartengebühr mehr

Grund für die zum Teil enormen Preisunterschiede ist vor allem der Sparzwang, unter dem viele Städte stehen. Die im Durchschnitt gesunkenen Preise begründete er unter anderem damit, dass inzwischen neun von 100 Städten keine Kindergartengebühren mehr verlangen. Sämtliche NRW-Städte haben die Gebühren für Familien mit mittlerem Einkommen (45 000 Euro) in den vergangenen beiden Jahren gesenkt oder gleich gelassen. In Gelsenkirchen etwa kostet nun der Platz für ein Kind 828 Euro und damit 168 Euro weniger als bei der letzten Studie. Am teuersten ist auch hier Duisburg, das seine Gebühren für ein Kind weder erhöht noch gesenkt hat. Mit 1008 Euro landet Duisburg auf dem 77. Rang.

Als Ursache für hohe Kindergartengebühren nennen die Autoren des Kindergartenmonitors den Sparzwang vieler Kommunen: "Viele Städte werden wegen der Haushaltsnotlage dazu gezwungen sein, die Kindergarten-Gebühren zu erhöhen."

Im Osten sind die Gebühren höher, weil die Kinder nicht nur vier, sondern sechs Stunden betreut werden.

Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft fordert eine Vereinheitlichung der Gebühren: Wer wenig Geld hat, dem soll über das Steuersystem oder durch Gutschein-Modelle geholfen werden.

Die Besserverdiener (80 000 Euro) dagegen müssen in manchen NRW-Städten tiefer in die Tasche greifen. So hat Oberhausen den Preis für einen Kindergartenplatz um 156 Euro auf 2340 Euro erhöht. Teurer ist nur Duisburg mit 2520 Euro. Zur "Ehrenrettung" Duisburgs sei erwähnt, dass die Stadt den Platz ab dem zweiten Kind gratis anbieten wollte. Wegen der Haushaltslage wurde Duisburg jedoch von der Bezirksregierung ausgebremst.

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