Piraten: Statt eines Traumurlaubs erleben die Passagiere der „Melody“ ein Drama. Auf der weiteren Reise werden sie beschützt.

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Beim Angriff der Seeräuber entstand an dem Kreuzfahrtschiff „Melody“ nur Sachschaden. Bewaffnete Sicherheitskräfte schlugen die um sich schießenden Piraten in die Flucht – unter anderem mit Feuerlöschern.

Beim Angriff der Seeräuber entstand an dem Kreuzfahrtschiff „Melody“ nur Sachschaden. Bewaffnete Sicherheitskräfte schlugen die um sich schießenden Piraten in die Flucht – unter anderem mit Feuerlöschern.

dpa

Beim Angriff der Seeräuber entstand an dem Kreuzfahrtschiff „Melody“ nur Sachschaden. Bewaffnete Sicherheitskräfte schlugen die um sich schießenden Piraten in die Flucht – unter anderem mit Feuerlöschern.

Nairobi. Als Risikotouristen oder Abenteuerurlauber dürften sich die Passagiere eines Kreuzfahrtschiffes in der Regel nicht fühlen. Schließlich sind diejenigen, die sich eine kostspielige Seereise auf den Weltmeeren gönnen, mehr an Erholung, gemütlichem Bordleben und geführten Landgängen interessiert, als in den entlegensten Gebieten der Welt unter Waffengewalt Land und Leute näher kennenzulernen.

Für die rund tausend Passagiere an Bord des italienischen Kreuzfahrtschiffes "MSC Melody", unter ihnen auch 38 Deutsche, kam es beim Traumurlaub im Indischen Ozean nun zu mehr Aufregung als den Urlaubern lieb gewesen sein dürfte. Auf dem Weg ins jordanische Akaba wurde ihr Schiff am Samstagabend 330Kilometer von den Seychellen entfernt von Piraten angegriffen.

Das eigentliche Risikogebiet ist noch 1100 Kilometer entfernt

Gegen 19.35Uhr deutscher Zeit wurde das Unterhaltungsprogramm an Bord durch einen Schusshagel aus Schnellfeuergewehren gestört. Rund neun Stunden, nachdem die "Melody" Port Victoria auf den Seychellen verlassen und sich auf den Weg nach Akaba gemacht hatte, griff ein kleines Zodiac-Schnellboot das Passagierschiff an. Sechs mit Kalaschnikows bewaffnete Piraten versuchten, den Kreuzfahrer mit einer Leiter zu entern.

Doch die Freibeuter hatten nicht mit der Wehrhaftigkeit des Urlaubsschiffes gerechnet. Zu den 536 Besatzungsmitgliedern zählte auch eine Einheit israelischer Sicherheitsleute, denen der italienische Kapitän Ciro Pinto den Befehl erteilte, zurückzuschießen. "Ich werde nie vergessen, was an diesem Abend geschehen ist: Das war wie im Krieg", sagte Pinto.

Ein deutscher Passagier schilderte den Überfall gegenüber "Spiegel online" so: "Während einer Show an Bord sind plötzlich Schüsse gefallen", sagte der Mann aus Baden-Württemberg. Rund 50 Schüsse habe er gehört, die offenbar außerhalb des Schiffes abgegeben worden seien. Andere Reisende hätten zuvor ein weißes Schnellboot gesehen, das dem Kreuzfahrtschiff gefolgt sei. Von der Brücke seien die Reisenden dann aufgefordert worden, in ihre Kabinen zu gehen und die Lichter zu löschen.

Tatsächlich gelang es den Sicherheitskräften, die Piraten in die Flucht zu schlagen. Die "MSC Kreuzfahrten", der deutsche Ableger der italienischen Reederei MSC Crociere, teilte am Sonntag mit, dass niemand verletzt worden sei. Auch am Schiff sei nur leichter Schaden entstanden. Ein Militärschiff der internationalen Armada im Golf von Aden soll die "Melody" nun eskortieren und vor weiteren Angriffen schützen. Denn das eigentliche Risikogebiet vor Somalias Küste ist noch rund 1100 Kilometer entfernt.

Schon mehrfach kaperten die Piraten Schiffe, die mehrere hundert Kilometer von der somalischen Küste entfernt waren. Haben sie ein Schiff erst einmal in ihrer Gewalt, müssen die Kommandeure der Kriegsschiffe zwischen der Gefährdung des Lebens der Besatzung und den Chancen einer Befreiungsaktion abwägen, wenn die Piraten mit ihren Geiseln und Beute Kurs auf die Hafenstädte in der nordsomalischen Region Puntland nehmen, wo schon mehr als ein Dutzend gekaperter Schiffe zum Teil seit Monaten vor Anker liegt.

Die Piraten nehmen immer häufiger Kreuzfahrtschiffe ins Visier

Allein im vergangenen halben Jahr kam es mehrfach zu Angriffen auf Kreuzfahrtschiffe. Ende November wurde das amerikanische Kreuzfahrtschiff "Nautica" mit mehr als tausend Menschen an Bord von Piraten beschossen. Im Dezember verfolgten zwei verdächtige Schnellboote das deutsche Kreuzfahrtschiff "MS Astor". Zu einer Konfrontation kam es jedoch nicht, denn die deutsche Fregatte "Mecklenburg-Vorpommern" bezog schützend Position zwischen dem Kreuzfahrtschiff und den Booten, gab mehrere Warnschüsse ab.

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