Westliche Besucher geben sich bei Präsident Assad die Klinke in die Hand. Der lobt die USA.

Syriens Präsident Baschar al-Assad schlägt einen Entspannungskurs gegenüber den USA ein.
Syriens Präsident Baschar al-Assad schlägt einen Entspannungskurs gegenüber den USA ein.

Syriens Präsident Baschar al-Assad schlägt einen Entspannungskurs gegenüber den USA ein.

dpa

Syriens Präsident Baschar al-Assad schlägt einen Entspannungskurs gegenüber den USA ein.

Damaskus. Über Syrien ergießt sich in diesen Tagen eine Welle westlicher Besucher, wie sie das arabische Land seit Jahren nicht mehr erlebt hat. Das hat vor allem mit dem Wechsel im Weißen Haus zu tun, wo bis vor kurzem noch ein Präsident saß, der Syrien einen Stammplatz auf der von ihm erfundenen "Achse des Bösen" zugewiesen hatte.

Syrien hat es satt, als Vasall Teherans geschmäht zu werden

Und auch in Syrien, dessen starres Regime rhetorisch noch tief im arabischen Nationalismus der 1960er verwurzelt ist, bewegt sich etwas. Präsident Baschar al-Assad, der sich in den vergangenen Jahren eng an den Iran geschmiegt hatte, hat es offensichtlich satt, von seinen arabischen Brüdern als Vasall Teherans geschmäht zu werden. Am Montag schickte Assad seinen Außenminister Walid al-Muallim nach Riad, um sich mit dem saudischen Herrscherhaus auszusöhnen, mit dem er zuletzt während der israelischen Offensive im Gazastreifen aneinandergeraten war.

Gleichzeitig reiste EU-Chefdiplomat Javier Solana zu einem zweitägigen Besuch nach Damaskus. Am vergangenen Samstag hatte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des US-Senats, John Kerry, Präsident Baschar al-Assad getroffen. Kerry versprach zwar nicht gleich die Aufhebung der vom früheren US-Präsidenten George W. Bush verhängten Wirtschaftssanktionen gegen Syrien. Doch zumindest die Entsendung eines neuen US-Botschafters nach Damaskus scheint in greifbare Nähe gerückt zu sein. Schon im vergangenen September hatte sich Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy ins Flugzeug gesetzt, um Assad zu besuchen, der von Paris wegen der möglichen Verwicklung seines Regimes in das Attentat auf den früheren libanesischen Ministerpräsidenten Rafik Hariri zuvor gemieden worden war. Der Iran dürfte über die Annäherung Syriens an den Westen nicht amüsiert sein. Offene Kritik blieb jedoch bislang aus.

Die Syrer ihrerseits sind begeistert über das Tauwetter. Der Botschafter des einstigen Paria-Staates in Washington, Emad Mustafa, spricht von Gemeinsamkeiten zwischen Syrien und den USA, "die als Basis für eine künftige Zusammenarbeit dienen können". Im Gegensatz zu Ex-Präsident Bush habe der neue US-Präsident Barack Obama erkannt, dass es falsch sei, Syrien zu isolieren, lobt er. Syrien sei auf dem richtigen Kurs, heißt es aus Brüssel.

Die Kernprobleme Syriens sind noch ungelöst. Zu diesen Problemen zählt die Zusammenarbeit von Präsident Assad (Foto) mit der pro-iranischen Schiiten-Bewegung Hisbollah im Libanon, die Waffen aus dem Iran via Syrien beziehen soll. Auch seine Unterstützung für die Hamas und andere radikale Palästinensergruppen sowie die aus westlicher Sicht nicht immer konstruktive Rolle, die Syrien in der libanesischen Innenpolitik spielt, belasten die Beziehungen.

"Abwarten, von den Syrern sind schon viele enttäuscht worden", warnt denn auch ein europäischer Diplomat. US-Senator John Kerry meint: "Die syrische Regierung muss jetzt erst einmal klar und deutlich erklären, was sie vorhat."

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), der vor drei Jahren wegen seiner Kontakte zu Syrien Kritik aus dem Kanzleramt, aus Paris und aus Washington hatte einstecken müssen, beobachtet mit einem "Hab-ich-es-nicht-gleich-gesagt"-Gefühl, wie die westlichen Besucher nach Damaskus strömen.

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