Geplant war ein europäischer Hochschulraum. Doch der bringt den Studenten nur Ärger.

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Weiterstudieren oder rein ins Berufsleben - über diese Alternative zerbrechen sich viele Studenten nach einem Bachelorabschluss den Kopf.

Weiterstudieren oder rein ins Berufsleben - über diese Alternative zerbrechen sich viele Studenten nach einem Bachelorabschluss den Kopf.

dpa

Weiterstudieren oder rein ins Berufsleben - über diese Alternative zerbrechen sich viele Studenten nach einem Bachelorabschluss den Kopf.

Düsseldorf. Ein schnelleres, erfolgreicheres, praxisnäheres und mobileres Studium: Mit diesem großen Versprechen an die Studierenden war vor zehn Jahren die Bologna-Reform gestartet. Doch das Projekt mit seinem angestrebten "gemeinsamen europäischen Hochschulraum" entpuppt sich als Endlos-Baustelle. Die Professoren kritisieren, dass sich die Hochschulen in "Irrenhäuser" verwandeln und vergleichen die Situation der Studenten mit einem "Hamster im Laufrad".

Weder Zeit für eine Vertiefung des Stoffs noch für Nebenjobs

Die wesentlichen Kritikpunkte: fehlende Studierbarkeit und hohe Verschulung. Schuld daran sind die deutschen Hochschulen, die mancherorts die Inhalte der früher acht- bis zehnsemestrigen Diplom- oder Magisterstudiengänge zusammengestaucht und mit dem Etikett "sechssemestriges Bachelor-Studium" versehen haben. In den USA erreichen Studenten in der Regel in acht Semestern den Bachelor. In etlichen anderen Bologna-Unterzeichner-Staaten sind - je nach Fachrichtung - sieben bis zehn Semester veranschlagt.

In Deutschland indes lassen volle Stundenpläne, Anwesenheitspflicht, Klausuren oder Hausarbeiten für jedes Lehrangebot weder Zeit für eine Vertiefung des Stoffs noch für Nebenjobs. Dabei ist der Typus des vollfinanzierten Studenten eine Fiktion. Nach Angaben des Deutschen Studentenwerks jobben 63 Prozent der Studenten, ein Drittel könnte das Studium ohne Nebenjob nicht finanzieren.

Unter diesen Bedingungen sinkt auch die Bereitschaft zu einem Auslandssemester. Dabei war gerade die Auslandsmobilität eines der Kernziele der Bologna-Reform. Statistiken zufolge sammelt zwar noch jeder vierte Student Erfahrungen im Ausland, in den Bachelor-Studiengängen sind es jedoch nur 15 Prozent.

Ein weiteres Problem ist die Anerkennung von Leistungen. Selbst in Deutschland tun sich Hochschulen schwer, sich gegenseitig die sogenannten Studienmodule und Leistungspunkte anzuerkennen. Die starke Ausdifferenzierung und Spezialisierung machen eine Harmonisierung der Studieninhalte fast unmöglich. Der Traum vom Studium ohne Grenzen an den mehr als 5000 Hochschulen in der EU und den angrenzenden Staaten lässt sich derzeit nicht verwirklichen.

Die Bildungsminister von 29europäischen Staaten unterschrieben 1999 in der italienischen Hochschulstadt Bologna eine Erklärung, bis 2010 einen gemeinsamen Hochschulraum Europa zu schaffen. Dazu gehört ein einheitliches System von aufeinander aufbauenden Studienabschlüssen (Bachelor, Master, Promotion).

Die Studieninhalte werden in Module aufgeteilt. Studienleistungen sollen einheitlich nach einem Leistungspunktesystem bewertet werden. Dies soll Studienphasen im Ausland erleichtern.

76 Prozent der Studienangebote für Erstsemester gelten als umgestellt. Jura und auch die medizinischen Studiengänge sind ausgenommen.

Inzwischen ist die Zahl der Bologna-Staaten auf 46 angewachsen. 20 weitere sind an der Aufnahme interessiert. Es handelt sich jedoch um eine rechtlich unverbindliche Absprache zwischen den Bildungsministern.

Das zeigt auch eine andere Zahl: Bundesweit bricht jeder fünfte Student sein Studium ab. in Bachelor-Studiengängen sind es sogar 30 Prozent.

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