Unterstützung für Studenten steigt nur moderat. Bund will aber besonders Begabte fördern.

Berlin. Drei von vier Abiturienten, die unmittelbar nach der Schule auf ein Studium verzichten, machen finanzielle Probleme und die Angst vor hohen Schulden dafür verantwortlich. Und jeder fünfte Studienabbrecher nennt fehlendes Geld als Grund für sein Scheitern.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) will das Bafög entgegen früheren Aussagen nun doch zum 1. Oktober erhöhen - allerdings bescheiden. Studentenwerk und Opposition sprechen von einem Tropfen auf den heißen Stein.

Kritiker stört dabei vor allem die Absicht der schwarz-gelben Koalition, die Erhöhung der Bafög-Fördersätze (plus zwei Prozent) und der Elternfreibeträge (plus drei Prozent) mit der Einführung eines nationalen Stipendiensystems zu verbinden. Nach den Vorstellungen der Koalition sollen künftig die zehn Prozent der leistungsstärksten Studenten unabhängig vom Eltern-Einkommen 300 Euro monatlich erhalten - ähnlich wie heute schon in NRW. Die Hälfte dieses Betrags sollen die Unis bei Sponsoren einwerben.

Die Ministerin beteuert, die Mehraufwendungen des Bundes für die Stipendien gingen nicht zu Lasten des Bafögs. In der Haushaltsplanung des Bundes sind für die Leistungsstipendien in den kommenden Jahren 280 Millionen Euro vorgesehen. Für das Bafög hingegen wird im Haushaltsentwurf des Bundes für das Jahr 2010 mit Minderausgaben in Höhe von 51 Millionen Euro gerechnet.

Von Leistungsstipendien profitieren zumeist Kinder von Gutverdienern

Schavan braucht aber für das Stipendienprojekt die Zustimmung der Länder. Und da gibt es Bedenken. So fürchtet man vor allem im Osten, wegen der Wirtschaftsschwäche der Unternehmen nicht genügend Geld einwerben zu können, um die Ko-Finanzierung der Stipendien zu sichern. Die Länder sollen zudem 35 Prozent des Staatsanteils an den Stipendien aufbringen.

Ein Prozent mehr Bafög oder ein Prozent mehr bei den Bafög- Freibeträgen kosten den Staat jeweils pro Jahr 15 Millionen Euro. Warum also nicht bei den Elternfreibeträgen deutlich zulegen, damit mehr junge Menschen in den Genuss von Förderung kommen? Im Gegenzug könnte man dann bei den Leistungsstipendien kürzer treten - sagen nicht nur Studentenwerk und Opposition, sondern auch Hochschulforscher. Denn nach den bisherigen Erfahrungen der Begabtenförderung profitieren vor allem Studenten aus Gutverdiener-Familien von den Leistungsstipendien.

Hintergrund der Rufe nach einer Ausweitung der Bafög-Förderung bildet der zunehmende Studienverzicht unter den Abiturienten. Zwar haben sich zu diesem Wintersemester so viele junge Menschen wie noch nie für ein Studium neu eingeschrieben. Doch der Anfängerrekord ist eine Folge der extrem geburtenstarken Abgängerjahrgänge und der doppelten Abiturjahrgänge in einigen Bundesländern. Spätestens 2015, wenn die geburtenschwachen Abiturientenjahrgänge die Schulen verlassen, könnten Studienanfänger zur raren Ware werden.

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