Geduldsprobe für Eltern: Der Tarifstreit um die Erzieherinnen wird zum Dauerbrenner.

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Erzieherinnnen und Erzieher demonstrieren in der Düsseldorfer Innenstadt. (Archiv-Foto vom 18.05.2009: Stefan Arend)

Erzieherinnnen und Erzieher demonstrieren in der Düsseldorfer Innenstadt. (Archiv-Foto vom 18.05.2009: Stefan Arend)

Erzieherinnnen und Erzieher demonstrieren in der Düsseldorfer Innenstadt. (Archiv-Foto vom 18.05.2009: Stefan Arend)

Berlin. Seit Mitte Mai werden zehntausende Mütter und Väter auf eine harte Belastungsprobe gestellt. Wer zunächst auf ein schnelles Ende der Streiks an kommunalen Kindertagesstätten gehofft hatte, muss nun erkennen, dass ein Ende nicht in Sicht ist. Die wichtigsten Aspekte:

Wie lange dauern die Streiks noch?

Noch Wochen, heißt es in Gewerkschaftskreisen. Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeber (VKA) hatte gehofft, die Forderung der Erzieherinnen für einen tarifrechtlich geregelten Gesundheitsschutz in den Verhandlungen am Mittwoch mit einem konkreten Angebot schnell abzuräumen. Bei einem Ja der Gewerkschaften wäre den Streiks die Grundlage entzogen worden - denn der Lohn-Tarifvertrag läuft laut VKA noch bis Ende 2010.

Was wollen die Gewerkschaften?

Zweierlei. Beim Gesundheitsschutz wollen sie Maßnahmen zum Lärmschutz und den Anspruch auf rückengerechtes Mobiliar festschreiben. Die Gewerkschaften sagen, der Lärmpegel in Kitas sei mit startenden Flugzeugen vergleichbar. Entsprechende Verbesserungen würden die klammen Kommunen viel Geld kosten. Zudem verweisen die Gewerkschaften auf die Arbeitsverdichtung. Sie schlagen vor, dass nur acht drei- bis sechsjährige Kinder auf einen Erzieher kommen, bisher sind es bis zu 20. Zum zweiten wird mehr Geld gefordert, je nach Gehaltsstufe 200 bis 1000 Euro.

Ist Geld für die Forderungen da?

Eigentlich nicht. Der Vorschlag, für Lärmschutzmaßnahmen Millionen aus dem zweiten Konjunkturpaket zu nehmen, hat wenig Aussicht auf Erfolg - das Geld ist fast verplant, zum Beispiel für Gebäude- und Schulsanierungen. Und der Städte- und Gemeindetag verweist darauf, dass die Forderung nach deutlich mehr Geld nicht realisierbar ist. Begründet wird das mit dem Milliardenloch bei der Steuerschätzung und den Milliardenbeträgen, die in den Ausbau der Kleinkinderbetreuung gesteckt werden müssen. Die derzeit 364 000 Plätze für die Betreuung sollen bis 2013 auf 750 000 ausgebaut werden. Gleichzeitig sollen noch die Elternbeiträge von rund zwei Milliarden Euro entfallen.

Wie kann eine Lösung aussehen?

Ein Mittelweg ist denkbar: Verbesserungen beim Gesundheitsschutz und etwas mehr Geld. Aber die Gewerkschaften haben mit ihren massiven Streiks die Messlatte hoch gelegt.

Die Streiks der Erzieherinnen in kommunalen Kindertagesstätten werden am Freitag nur in Köln fortgesetzt. In allen anderen Städten und Gemeinden Nordrhein-Westfalens werden die Kitas dagegen geöffnet sein, so ein Verdi-Sprecher am Donnerstag.

Nach dem vorläufigen Scheitern der Tarifverhandlungen gingen die Streiks der Erzieherinnen und Sozialarbeiterinnen gestern auch in NRW in eine neue Runde. Landesweit legten nach Gewerkschaftsangaben rund 7200 Mitarbeiter in 320 kommunalen Einrichtungen in 40 Städten die Arbeit nieder. Lediglich in Bielefeld waren die Kitas mit Rücksicht auf eine Kinderolympiade geöffnet.

Nach Gewerkschaftsangaben verdienen Erzieherinnen im Schnitt etwa 2400 Euro brutto. Da aber viele Frauen in Teilzeit arbeiten, kämen sie oft auf höchstens 1000 Euro. Verdi-Chef Frank Bsirske sagt, sie dürften nicht schlechter bezahlt werden als Müllmänner, die auf 3000 Euro kämen.

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