Ausstieg oder Wiedereinstieg: Angela Merkel lädt zum Energiegipfel ins Kanzleramt.

Worum geht es beim Energiegipfel?

Bei dem Treffen im Kanzleramt handelt es sich um eine jährliche Konferenz mit den Vertretern von RWE, Eon, EnBW und Vattenfall. Dieses Mal ist es besonders brisant, weil die Konzerne so rasch wie möglich wissen wollen, wie sich Schwarz-Gelb die Verlängerung der Laufzeiten bei den Atomkraftwerken vorstellt. Dabei spielen auch die Sicherheitsanforderungen für den weiteren Betrieb der Kraftwerke eine Rolle.

Warum haben es die Konzerne eilig?

Mit dem Atomausstieg unter Rot-Grün hat jedes Kernkraftwerk eine Reststrommenge erhalten, die es produzieren darf. Danach erlischt die Betriebserlaubnis. Die Meiler Biblis A und Neckarwestheim 1 haben nur noch geringe Reststrommengen, sodass sie nach dem Atomgesetz noch 2010 vom Netz müssen.

Müssen alte Meiler zwangsläufig vom Netz, wenn der Bund erst im Oktober die Laufzeitenfrage klärt?

Nein. Die Energieriesen können die Stromproduktion der betroffenen Reaktoren drosseln und damit deren Restlaufzeit etwas hinauszögern. Hier gibt es freilich Grenzen. Alternativ könnten die Betreiber Reststrommengen von ihren neuen Kraftwerken auf die alten übertragen. Dazu müsste aber Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) seine Erlaubnis geben. Dass er diese vor der NRW-Wahl gibt, ist höchst unwahrscheinlich.

Wie steht Schwarz-Gelb zur Laufzeitverlängerung?

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Röttgen wollen in der Laufzeitenfrage das nationale Energiekonzept im Herbst abwarten. Röttgen denkt an eine Verlängerung von je vier bis acht Jahren. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hingegen will "so schnell wie möglich" Klarheit und schließt auch eine größere Ausweitung der Laufzeiten nicht aus. Dafür sollen die Energiekonzerne "mindestens 50 Prozent" ihrer zusätzlichen Gewinne an den Staat abgeben.

Was hat der Verbraucher davon, wenn die Meiler länger laufen?

Zum Atomgipfel am Donnerstag kommen Manager der vier großen Energiekonzerne ins Kanzleramt. Anwesend sind auch Spitzenbeamte aus dem Umwelt- und Wirtschaftsministerium. Bei dem Treffen geht es auch um die geplante Verlängerung der Laufzeiten für Kernkraftwerke. Im Jahr 2000 hat die damalige rot-grüne Bundesregierung mit den Energiekonzernen den Atomausstieg vereinbart.

Derzeit produzieren 17 Atommeiler Strom, die RWE, Eon, EnBW und Vattenfall gehören. Die Anlagen erzeugen 25 Prozent des heimischen Strombedarfs. Die geringsten Laufzeiten haben die Reaktoren Neckarwestheim 1, Biblis A, Brunsbüttel und Isar 1. Die größten Kapazitäten haben Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2.

Das Freiburger Ökoinstitut rechnet in einer Studie mit Zusatzgewinnen für den Bund von 51 Milliarden Euro bis 2035, falls die Laufzeiten der Kraftwerke um acht Jahre verlängert werden.

Er spart Geld. Dies besagt eine Pro-Atomkraft-Studie, die der Bundesverband der Deutschen Industrie pünktlich zum Atomgipfel veröffentlicht hat. Demnach könnten die Verbraucher bis 2030 bei der Stromrechnung 60 Milliarden Euro sparen, wenn die Reaktoren 60 Jahre länger liefen als heute geplant. Die Volkswirtschaft würde bis 2030 um 256Milliarden Euro entlastet.

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