Kritik vor dem Gipfel in Toronto: Die Zusagen an arme Länder wurden in der Krise verdrängt.

Toronto. Die reichen Staaten der Welt haben ihre Versprechen gebrochen. Fünf Jahre nach den Gipfelzusagen im schottischen Gleneagles, die Hilfe für arme Länder um 50 Milliarden US-Dollar zu erhöhen, sind die G8-Staaten weit von ihrem Ziel entfernt.

Während die acht großen Industrienationen selber einen Fehlbetrag von zehn Milliarden einräumen, kommt die Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) sogar auf rund 20 Milliarden US-Dollar.

"Während viele die Weltwirtschaftskrise als Entschuldigung benutzen, sollten die ärmsten Menschen nicht die Rechnung für den finanziellen Wahnwitz der reichen Welt bezahlen", kritisierte die internationale Hilfsorganisation Oxfam vor dem G8-Gipfel, der am Freitag im kanadischen Toronto beginnt.

In Toronto soll es vor allem um die Situation von Kindern gehen

Drei Milliarden Menschen leben in Armut. Hunger und Unterernährung sind die häufigsten Todesursachen in der Welt. In Toronto geht es diesmal besonders darum, wie der Tod von jährlich sechs Millionen Kindern unter fünf Jahren verhindert werden kann.

"Das sind 400 Schulbusse voll mit Kindern jedes Jahr", sagt Sue Mbaya, Afrika-Direktorin der Hilfsorganisation World Vision. "Sie müssten nicht sterben."

Millenniumskonferenz hatte sich ehrgeizige Ziele gesetzt

Viele tausende Kinder sind in Folge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise vom Tod durch Hunger und Krankheit bedroht. Überhöhte Lebensmittelpreise, sinkende Einkommen und steigende Arbeitslosigkeit treffen nach dem Unicef-Report 2010 gerade die Familien am härtesten, die schon vor der Krise am Rande lebten.

Die Zahl der Menschen in extremer Armut wird im Laufe dieses Jahres um weitere 64 Millionen steigen, berichtet das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen. Über eine Milliarde waren es schon Ende 2009, etwa die Hälfte davon sind Kinder. Die Ausgaben für Ernährung, Bildung und Gesundheit dürften deshalb keinesfalls verringert werden, warnt Unicef.

Die steigenden Lebensmittelpreise führen laut Unicef dazu, dass Familien in armen Länder teilweise 70 bis 80 Prozent ihres Einkommens für Nahrungsmittel ausgeben müssen. In Südasien kann ein Drittel der Menschen seinen täglichen Kalorienbedarf nicht decken.

Das gilt auch für 350000 Frauen, die jedes Jahr bei Schwangerschaft oder Geburt ums Leben kommen. Gastgeber Kanada hat die Kinder- und Müttersterblichkeit auf die Tagesordnung gesetzt. Bei keinem anderen Millenniumsziel sind die Fortschritte so langsam.

Vor zehn Jahren hatte die Millenniumskonferenz vereinbart, die Sterblichkeit der Kinder bis 2015 um zwei Drittel und die der Mütter um drei Viertel zu senken.

Aber um diese Ziele noch zu erreichen, müssten die sieben großen Industrienationen und Russland (G8) 24Milliarden US-Dollar locker machen. Doch was die G8-Staaten in Toronto an neuen Milliardenhilfen versprechen, wird weit davon entfernt sein.

Deutschland, Frankreich und Italien hinken hinterher

Schon von dem 2005 in Schottland zugesagten 25 Milliarden US-Dollar allein für Afrika ist bis heute die Hälfte nicht angekommen. Nur der damalige Gastgeber Großbritannien liegt im Plan, während Deutschland, Frankreich und besonders Italien schwer hinterherhinken.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer