Die Patientenquittung soll mehr Transparenz ins Gesundheitssystem bringen.

Düsseldorf. Privat Krankenversicherte erhalten sie ganz selbstverständlich, bei den gesetzlich Versicherten dagegen ist sie noch die Ausnahme (siehe Kasten). Dabei gilt die Patientenquittung seit langem als Möglichkeit, mehr Transparenz in den Dschungel des deutschen Gesundheitssystems zu bringen. Nun mehren sich die Forderungen, die Patientenquittungen auch für gesetzlich Versicherte verpflichtend einzuführen.

Wo liegen die Vorteile?

Die Befürworter der Patientenquittung, darunter die Verbraucherzentralen und die Kassenärzte, versprechen sich ein größeres Kostenbewusstsein der Versicherten. Konkret: Wenn ein Patient weiß, was eine Behandlung kostet, vermeidet er vielleicht unnötige Arztbesuche. Zugleich kann die Patientenquittung im Kampf gegen den Abrechnungsbetrug helfen. Denn nur die Patienten selbst wissen, welche Untersuchungen der Arzt wirklich durchgeführt hat und können dies mit den tatsächlich abgerechneten Leistungen vergleichen.

Was sagt die Bundesregierung?

Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) will nach Angaben eines Sprechers mehr Transparenz im System erreichen, um das Kostenbewusstsein der Versicherten zu stärken. Daher werde derzeit geprüft, ob gesetzlich Versicherte künftig verstärkt auf freiwilliger Basis ihre Rechnung beim Arzt zunächst selbst bezahlen und sich dann die Kosten von der Kasse erstatten lassen könnten. Voraussetzung wäre dann eine Quittung. Die Kassen sollen demnach Anreize schaffen, damit Versicherte die Möglichkeit nutzen. Auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung spricht sich für mehr Direktbezahlung beim Arzt aus.

Welche Bedenken gibt es?

Gegen die Quittung gibt es kaum Einwände. Allerdings warnen sowohl der Bundesverband der Verbraucherzentralen als auch der Spitzenverband der gesetzlichen Kassen (GKV) davor, dass über die Quittung - durch die Hintertür - eine generelle Direktzahlung auch für gesetzlich Versicherte eingeführt werden könnte. "Wir wollen keine Verhältnisse, bei denen die Menschen aus Angst vor finanzieller Überforderung nicht mehr zum Arzt gehen", warnt GKV-Chefin Doris Pfeiffer. Auch die AOK Rheinland/Hamburg sieht in einer Direktzahlung keine Vorteile.

Seit 2004 haben gesetzlich Krankenversicherte einen Anspruch darauf, dass ihnen Arzt, Zahnarzt oder Klinik eine Quittung ausstellen. Allerdings besteht kein Automatismus. Der Patient muss die Quittung anfordern.

Die Quittung soll den Versicherten in verständlicher Form über die von seiner Krankenkasse erbrachten Leistungen und die Kosten informieren.

Bei niedergelassenen Ärzten und Zahnärzten kann der Versicherte zwischen einer sogenannten Tagesquittung, die er im direkten Anschluss an die Behandlung erhält, und einer Quartalsquittung wählen. Für die Quartalsquittung - sie wird spätestens einen Monat nach Ablauf des Quartals ausgestellt - wird allerdings eine Aufwandspauschale von einem Euro plus möglicher Versandkosten fällig.

Laut einer Umfrage der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) nutzen derzeit nur rund zwei Prozent der gesetzlich Versicherten die Möglichkeit, sich eine Patientenquittung ausstellen zu lassen. 80Prozent der Befragten hatten dagegen noch nie von der Möglichkeit gehört.

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