Deutschland ist maßgeblich an der Ausbildung beteiligt. Nicht nur Korruption bereitet Probleme.

Deutsche Polizeibeamte sehen sich in Afghanistan bei der Ausbildung afghanischer Polizisten großen Schwierigkeiten gegenübergestellt. Der Ruf nach Aufstockung wird lauter.
Deutsche Polizeibeamte sehen sich in Afghanistan bei der Ausbildung afghanischer Polizisten großen Schwierigkeiten gegenübergestellt. Der Ruf nach Aufstockung wird lauter.

Deutsche Polizeibeamte sehen sich in Afghanistan bei der Ausbildung afghanischer Polizisten großen Schwierigkeiten gegenübergestellt. Der Ruf nach Aufstockung wird lauter.

dpa

Deutsche Polizeibeamte sehen sich in Afghanistan bei der Ausbildung afghanischer Polizisten großen Schwierigkeiten gegenübergestellt. Der Ruf nach Aufstockung wird lauter.

Kunduz. Es war eine Schmach für die afghanische Polizei und Armee: Machtlos mussten sie am Mittwoch mitansehen, wie Selbstmordkommandos der radikal-islamischen Taliban in Kabul ein Blutbad mit 26 Toten anrichteten. Dabei war ihnen die Aufgabe, die eigene Hauptstadt zu sichern, erst im vergangenen Jahr von der Internationalen Schutztruppe Isaf übertragen worden. Und die Isaf, die sich seit 2002 um den Aufbau der afghanischen Sicherheitsorgane bemüht, muss nun erkennen, dass an eine selbsttragende Sicherheit in dem kriegsgeschüttelten Land noch lange nicht zu denken ist.

Speziell bei der Ausbildung der Polizei gibt es große Probleme, sagt Patrick Lankeit. Der Polizeioberkommissar gehört dem "German Police Project Team" an, das vom deutschen Feldlager in Kunduz aus die "European Union Police Mission" (Eupol) in Afghanistan unterstützt. Gegenwärtig bilden im Rahmen der Eupol-Mission 180 Polizeibeamte aus 21 Ländern einheimische Polizisten aus. 60 Trainer kommen aus Deutschland - zu wenig, um ein Land mit Polizisten zu versehen, das doppelt so groß ist wie die Bundesrepublik. Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) will ihre Zahl noch in diesem Jahr verdoppeln. Doch auch eine Aufstockung wird nach Ansicht von Experten nicht dazu führen, dass die Polizei in absehbarer Zeit die gewünschte Stärke von bis zu 80 000 Mann erhält.

In der Bevölkerung gelten die Polizisten als korrupt

Es hakt an vielen Stellen. "Wir versuchen erst gar nicht, bei der Ausbildung deutsche Maßstäbe anzulegen", sagt Patrick Lankeit. Typische Polizeifähigkeiten seien kaum gefragt. "Hier muss man lernen, ein Feuergefecht zu führen und sich zu verteidigen." Denn die Polizei steht im Kampf gegen die Taliban an vorderster Front. Von "Kanonenfutter" spricht Lankeit - und die Statistik gibt ihm Recht. So wurden 2008 unter deutscher Federführung 2943 Afghanen aus- und weitergebildet. Im gleichen Zeitraum kamen 1196 Polizisten ums Leben, 2100 wurden verwundet, 261 gelten als vermisst.

Die meisten angehenden Polizisten erhalten nur einen mehrwöchigen Crashkurs. "Sie können weder lesen noch schreiben. Da ist die Vermittlung von Rechtsstaatlichkeit schwer", sagt Lankeit. Zudem gilt die Polizei in der Bevölkerung als korrupt. Der Grund: Ein Verdienst von rund 100 US-Dollar reicht kaum aus, um eine Familie zu ernähren. Das wissen auch Taliban, Drogenhändler und Warlords. Sie zahlen mehr. So setzen viele Polizisten die bei Eupol erlernten Fähigkeiten auf der gegnerischen Seite ein.

Im Jahr 2002 hatte Deutschland als Führungsnation die Verantwortung für den Polizeiaufbau übernommen. Im Juni 2007 ging die Verantwortung in die europäische Eupol-Mission über. In diesem Zeitraum wurden rund 24000 afghanische Polizisten aus- und fortgebildet.

Zusätzlich trainiert das Feldjägerausbildungskommando ANP (Afghan National Police) Polizisten. Sie sollen als Multiplikatoren bei ihren Kollegen wirken. Die Soldaten konzentrieren sich dabei in dreiwöchigen Kursen auf die Themen Eigensicherung und auf polizeiliche Basisaufgaben wie Personenkontrollen und Festnahmen.

Erfolgreich, aber langwierig ist die Ausbildung in der von Deutschland geleiteten Kabuler Polizeiakademie. Die Absolventen drücken bis zu drei Jahre die Schulbank, können lesen und schreiben und haben in Grundzügen eine Vorstellung von Bürgerrechten.

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