Seit einem Monat regiert Barack Obama. Die Bilanz eines Blitzstarts.

Ein Mensch mit einer Mission – Barack Obama eilt von Termin zu Termin, von Entscheidung zu Entscheidung.
Ein Mensch mit einer Mission – Barack Obama eilt von Termin zu Termin, von Entscheidung zu Entscheidung.

Ein Mensch mit einer Mission – Barack Obama eilt von Termin zu Termin, von Entscheidung zu Entscheidung.

dpa

Ein Mensch mit einer Mission – Barack Obama eilt von Termin zu Termin, von Entscheidung zu Entscheidung.

Düsseldorf. Am 20. Januar hat Barack Obama nicht nur das gewichtigste politische Amt der Welt übernommen, sondern auch die schwierigste Aufgabe des Planeten.

Das erste schwarze Staatsoberhaupt Amerikas erbt von seinem Vorgänger einen ökonomischen Trümmerhaufen, zwei Kriege und ein Volk, das den Glauben an den amerikanischen Traum verloren hat. Nun steht das Volk hinter dem 47-Jährigen, begeistert, aber fordernd: Mr.President, rette uns!

Den amerikanischen Traum in sieben Tagen neu erschaffen

Und der legt umgehend los. In seinen ersten Amtstagen ordnet Obama die Schließung des Gefangenenlagers Guantánamo an, weist die Armee an, Pläne für einen verantwortungsvollen Abzug der USA aus dem Irak auszuarbeiten.

Mit einem Federstrich beendet der US-Präsident die Politik seines Vorgängers, all jene Organisationen zu boykottieren, deren Programme für Familienplanung möglicherweise Hilfe bei Abtreibungen bieten. Obama kündigt eine enge Kooperation mit den Vereinten Nationen an, fordert der Automobilindustrie umweltfreundlichere Autos ab und beschließt, arme Kinder in die Krankenversicherung aufzunehmen.

In sieben Tagen, so scheint es, hat Obama den politischen Klimawandel bewältigt und den amerikanischen Traum neu erschaffen. "Der schnellste Präsident aller Zeiten", jubelt eine Zeitung, "Himmelstürmer" eine andere.

Dann wendet sich die ruhebedürftige Weltöffentlichkeit zunächst von der rasenden Realpolitik ab und blickt in die öffentliche Privatsphäre der Obamas. Was sie sieht, lässt sie jubeln. Sie sieht, wie der Präsident auch mal ohne Jackett durchs Oval Office schreitet. Wie das Weiße Haus zur Austragungsstätte von Kindergeburtstagen und Cocktail-Partys wird. Wie die neue Lässigkeit Besitz vom ehrwürdigen Gemäuer ergreift. Wie Michelle Obama mir rotem Kostüm auf dem Titel der "Vogue" posiert und damit zur Stilikone aufsteigt. Wie ihr Ehemann Barack nach einer Trainingseinheit im Fitness-Studio seine Töchter Malia (10) und Sasha (7) schulfertig macht.

Ein Präsident, der entwaffnend offen seine Fehler bekennt

Dann folgt das Kabinettstückchen aus misslungener Personalpolitik und gelungenem Stil, das die Welt endgültig verblüfft. Nachdem ihm drei designierte Minister wegen verschiedener Affären abgesprungen sind, drohen sich die Republikaner auf diesen ersten Fehler Obamas zu stürzen. Doch statt die Geschichte wortreich zu vernebeln, spricht der US-Präsident diesen einfachen Satz: "I screwed it up" - ich habe das verbockt. Ein US-Präsident, der so entwaffnend offen einen Fehler bekennt, der straft alle Klischees vom lavierenden Politiker Lügen.

Obama kann Niederlagen in Siege verwandeln, zaubern kann er nicht. Zwar billigt der US-Kongress am Freitag, 13. Februar, sein 789Milliarden schweres Konjunkturpaket und bringt den Plan zur Rettung der Banken auf den Weg. Aber die Republikaner bleiben stur bei ihrem Nein, und das, obwohl Obama beim Kampf gegen die Krise den Gemeinschaftsgeist beschworen hat. Den Triumph, die Lager geeint zu haben, gewähren ihm die Republikaner selbst in Zeiten der kapitalistischen Systemkrise nicht.

Ein Monat nach der Amtseinführung ist die Party in den USA erst einmal vorbei, diese Begeisterung darüber, George W. Bush los zu sein und den coolsten Regierungschef der Welt erwählt zu haben, einen, der anders ist als die grauen Apparatschiks und Polit-Schranzen in den anderen Regierungszentralen der Welt. Jetzt weicht der Zauber dem Alltag, schleicht sich zum ersten Mal die Angst ein, man könne diesen neuen Mann im Weißen Haus mit Wünschen und Hoffnungen überfrachtet haben.

Als Sinnbild dieses Zweifels gilt den Amerikanern das von den "St.Petersburg Times" (Florida) ins Internet gestellte "Obameter", eine täglich auf den neuesten Stand gebrachte Statistik. Die Macher des Messinstruments stellten die 500 wichtigsten Wahlkampfversprechen des Präsidenten zusammen und messen sie Tag für Tag an seinen Taten.

Aktuell sieht es ganz gut aus für den Präsidenten. Er hat neun Versprechen umgesetzt und 21 auf den Weg gebracht. 475 Themen liegen allerdings noch brach, und wer weiß schon, ob das "Obameter" nicht irgendwann den präsidialen Mythos entzaubern wird.

Die Republikaner lassen schon jetzt keinen Zweifel daran: Die Internet-Statistik soll am Ende auf keinen Fall zum Ergebnis kommen, dass die meisten der 500 Wahlversprechungen in Erfüllung gegangen sind.

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