Das britische Wahlsystem ist kompliziert. Am Donnerstag könnte die Stunde der Kleinen schlagen.

London. In der Regel sorgt das Mehrheitswahlrecht in Großbritannien für klare Verhältnisse. Doch diesmal liefern sich die Parteien ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Was passiert, wenn keine Partei die absolute Mehrheit erreicht?

Dann kommt es zu einem sogenannten "hung parliament", einem Parlament mit unklaren Mehrheitsverhältnissen. Das bedeutet, dass sich eine der großen Parteien - also die Tories oder Labour- mit einer kleineren Partei zusammentun muss, um mehr als die Hälfte der 650 Sitze zu erringen.

Welche Optionen gibt es?

Wenn die konservativen Tories stärkste Partei werden, die absolute Mehrheit aber verfehlen, dann können sie sich von kleineren Gruppen wie der nordirischen DUP und von unabhängigen Abgeordneten tolerieren lassen. Verfehlen die Tories allerdings mit weitem Abstand die absolute Mehrheit, sind sie auf die größeren Liberaldemokraten angewiesen, die dritte Kraft.

Hat Labour überhaupt eine Chance?

Es gilt als nahezu ausgeschlossen, dass Labour wieder stärkste Partei wird. Aber Gordon Brown bleibt bei einem "hung parliament" erst einmal im Amt und kann versuchen, eine Koalitionsregierung zu bilden. Auch Labour braucht dazu vermutlich die Liberaldemokraten, die dieses Mal wahrscheinlich besonders stark abschneiden.

Und mit wem wollen die Liberalen am liebsten zusammenarbeiten?

Der Partei geht es vor allem darum, eine Reform des Wahlrechts durchzusetzen - denn das benachteiligt kleine Parteien gewaltig. Parteichef Nick Clegg hat sich zwar auf keine Partei festgelegt. Aber er hat angedeutet, dass er nicht mit Labour koalieren will, wenn die nur dritte Kraft wird.

Gab es in Großbritannien schon mal ein "hung parliament"?

Der Labour-Mann hat laut Umfragen kaum Chancen auf eine Titelverteidigung. Der Premierminister folgte 2007 dem charismatischen Tony Blair, wirkte aber von Anfang an überfordert mit dieser Rolle, vor allem im öffentlichen Auftreten. Sein Stern sank stetig und erreichte mit Aussetzern im Wahlkampf einen neuen Tiefpunkt.

Er hat die britischen Konservativen von Grund auf verändert und zu einer zeitgemäßen Partei gemacht. Nicht nur deshalb wird der 43-Jährige gerne mit Tony Blair verglichen, der damals die Labour-Partei von altem Gedankengut entrümpelte. Cameron versteht auch, mit den Medien umzugehen. Er wirkt im Gegenteil zum jetzigen Premierminister Gordon Brown jugendlich, frisch und schlagfertig.

Er ist 43 Jahre alt und tritt für die Liberaldemokraten an. Für einen Briten ungewöhnlich, spricht er vier Fremdsprachen - neben Deutsch auch Niederländisch, Spanisch und Französisch. Seine Politik ist extrem europafreundlich.

Seit dem Zweiten Weltkrieg nur einmal: 1974. Damals wollten die Tories eine Koalition mit den Liberalen, doch die weigerten sich. Darauf bildete Labour eine Minderheitsregierung. Diese hielt jedoch nicht lange, und es musste im selben Jahr noch einmal gewählt werden.

Warum ist eine Koalition so ungewöhnlich in Großbritannien?

Das liegt am Wahlsystem. Denn beim britischen Mehrheitswahlrecht kommt nur ein Kandidat pro Wahlkreis ins Parlament - der mit den meisten Stimmen. Das heißt, die Stimmen für seine Konkurrenten verfallen.

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