Entspannung im Atomstreit: Teheran stimmt einer Uran-Anreicherung im Ausland zu.

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Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad mit Viktory-Zeichen und der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva.

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad mit Viktory-Zeichen und der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva.

dpa

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad mit Viktory-Zeichen und der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva.

Teheran. In letzter Minute hat der Iran eingelenkt und ein Abkommen mit der Türkei und Brasilien unterzeichnet, dass Uran aus dem Iran so lange auf türkischem Gebiet aufbewahrt wird, bis der Brennstoff für einen medizinischen Forschungs-Reaktor in Teheran eintreffe. Bisher hatte der Iran darauf beharrt, das Uran auf seinem Gebiet auszutauschen.

Waren Angst vor neuen Sanktionen der Vereinten Nationen Grund für den Deal? Und: Könnte das ewige Katz- und Mausspiel Teherans mit der Internationalen Gemeinschaft damit ein Ende finden? Auf jeden Fall werten internationale Beobachter die neue iranische Linie als vorsichtiges Signal dafür, dass sich die Türen für einen Dialog mit den Weltmächten öffnen könnten.

Atomgespräche mit Sechsergruppe rücken in den Bereich des Möglichen

"Dies ist ein Schritt hin zu Verhandlungen und weg von einer weiteren Eskalation des Streits", sagte ein Mitglied der türkischen Delegation in Teheran. Schließlich war der Dreiergipfel zwischen Ahmadinedschad, Luiz Inácio Lula da Silva und Recep Tayyip Erdogan als "letzte Chance" für den Iran gewertet worden.

Auch aus Diplomatenkreisen in Wien hieß es, eine Wiederaufnahme der Atomgespräche mit der Sechsergruppe - die fünf Mitglieder des Sicherheitsrates plus Deutschland - rückten wieder in den Bereich des Möglichen.

Dennoch: Die Skepsis bleibt. Zu oft hat der Iran seine Ankündigungen wieder zurückgenommen. Bereits kurz nach der Unterzeichnung ließ der iranische Außenamtssprecher Ramin Mehmanparast verlauten, Teheran werde trotz des Kompromisses weiterhin radioaktives Material "auf eigenem Territorium" anreichern. Wohl deshalb reagierten Russland und Israel eher verhalten. "Die Frage ist, ob Ahmadinedschad nicht wieder alle an der Nase herumführt", sagte der israelische Handelsminister Benjamin Ben-Elieser.

In der Türkei sollen 1200 Kilogramm iranisches Uran mit einem niedrigen Anreicherungsgrad von 3,5 Prozent gelagert werden. Spätestens ein Jahr später soll der Iran dafür in der Türkei 120 Kilogramm Uran mit dem Anreicherungsgrad von 20 Prozent für seinen Forschungsreaktor in Teheran erhalten. Bisher hatte der eine Anreicherung im Ausland abgelehnt.

Im Oktober 2009 wies Teheran einen Vorschlag der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) zurück, wonach iranisches Uran in Russland angereichert und in Frankreich weiterverarbeitet werden sollte. Stattdessen bestand Teheran auf einen zeitgleichen Austausch auf seinem Territorium. Dies wiederum lehnte der Westen ab.

Auch die internationale Gemeinschaft äußerte Bedenken. Der "springende Punkt" sei, ob Teheran die eigene Uran-Anreicherung aufgebe, sagte Vize-Regierungssprecher Christoph Steegmans. Die Vereinbarung betreffe lediglich den Forschungsreaktor in Teheran und "löst keineswegs das Problem des iranischen Atomprogramms", hieß es.

Der Iran braucht Brennstoff für den Forschungs-Reaktor

Ob Ahmadinedschad die Furcht vor wirtschaftlichen Konsequenzen zum Einlenken bewogen hat, bleibt offen. "Der Iran handelt normalerweise nicht aus Angst", hieß es aus Wiener Diplomatenkreisen. "Das Land braucht wahrscheinlich einfach Brennstoff für seinen medizinischen Reaktor."

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