Der Konzern will nur ein Prozent mehr Gehalt zahlen. Eine Gewerkschaft fordert zehn Prozent.

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Transnet-Chef Alexander Kirchner droht mit Warnstreiks, falls die Bahn ihr Tarifangebot nicht bis zum 22. Januar nachbessert.

Transnet-Chef Alexander Kirchner droht mit Warnstreiks, falls die Bahn ihr Tarifangebot nicht bis zum 22. Januar nachbessert.

Transnet-Chef Alexander Kirchner droht mit Warnstreiks, falls die Bahn ihr Tarifangebot nicht bis zum 22. Januar nachbessert.

Düsseldorf. Nicht einmal ein Jahr ist es her, dass der erbittert geführte Tarifstreit bei der Bahn beigelegt wurde. Gegen den durch Streiks und die aufgebrachte Öffentlichkeit zermürbten Bahnchef Hartmut Mehdorn hatte der mittlerweile in den Ruhestand getretene Manfred Schell für die Lokführer-Gewerkschaft GDL satte elf Prozent Lohnsteigerung durchgesetzt. Und nun droht der nächste Tarifkonflikt. Auch das Wort Warnstreiks fällt schon wieder. Transnet-Chef Alexander Kirchner sagt, dass "wir womöglich noch in diesem Monat zu Warnstreiks aufrufen" - wenn die Bahn ihr Angebot bis zur nächsten Gesprächsrunde am 22. Januar nicht nachbessere.

Gewerkschaften nennen das Angebot "Provokation" und "Scherz"

Das Angebot, das die Deutsche Bahn am Mittwoch den drei Gewerkschaften machte, wird von diesen "als Provokation" (GDBA-Chef Klaus-Dieter Hummel) gesehen. Die Bahn will für die Jahre 2009 und 2010 einen Inflationsausgleich zahlen. Im Kern sollen die Entgelte um ein Prozent angehoben werden. Je nach Geschäftsergebnis sollen Einmalbeträge von 200 Euro fließen. "Das Angebot ist ein Scherz", sagt auch der neue Chef der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky. Während die für die rund 20000 Lokführer zuständige GDL ein Plus von 6,5 Prozent fordert, will die Tarifgemeinschaft von Transnet und GDBA (Gewerkschaft Deutscher Bundesbahnbeamter), zuständig für 130000 Mitarbeiter, sogar zehn Prozent Lohnzuwachs. Transnet-Chef Kirchner hält das auch in Zeiten der Wirtschaftskrise für gerechtfertigt. "Man darf diese Forderung nicht im Verhältnis zur Situation in anderen Wirtschaftszweigen sehen", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Die Bahn habe 2008 ein sehr gutes Ergebnis gemacht und sie sei auch nicht so sehr von der Krise getroffen wie andere Unternehmen. Es könne nicht sein, dass die Beschäftigten am Ergebnis nicht teilhaben sollten. Auch betont Kirchner, dass sich die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten immer weiter verschlechtert hätten. "Da geht es um Dienstbeginn und -ende mitten in der Nacht, die Häufigkeit von Schichten, um kurzfristige Dienständerungen." Viele Kollegen hätten kaum noch wirklich freie Wochenenden. Auf der anderen Seite des Verhandlungstisches sitzt den Gewerkschaftern dieses Mal jemand gegenüber, der eigentlich großes Verständnis für ihre Anliegen haben müsste: Der langjährige Transnet-Chef Norbert Hansen, der sich jetzt in seiner neuen Funktion als Personalvorstand der Bahn bewähren will (siehe Porträt auf dieser Seite).

Jeden Tag fahren gut fünf Millionen Menschen mit der Deutschen Bahn. Insgesamt beförderte Europas größtes Verkehrsunternehmen 2007 rund 1,8 Milliarden Fahrgäste. Im ersten Halbjahr 2008 fuhren 941 Millionen Menschen mit der Bahn. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum ist das ein Plus von 3,1Prozent. 2007 wurden zudem 312 Millionen Tonnen Güter auf der Schiene transportiert, im ersten Halbjahr 2008 rund 197 Millionen Tonnen.

Unter dem Strich erwirtschaftete die Bahn 2007 einen Gewinn von 1,7 Milliarden Euro. Der Umsatz lag bei 31,3 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr 2008 hat der Vorstand ein Umsatzplus von fünf Prozent angestrebt. Der ursprünglich für Oktober 2008 geplante Börsengang der Deutschen Bahn wurde aus Sorge vor zu geringen Erlösen im Zuge der Finanzmarktkrise auf unbestimmte Zeit verschoben.

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