Nato-General: Soldaten gehen zu wenig auf die Afghanen zu.

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Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg will die Kritik von US-General Stanley McChrystal an der Einsatzstrategie der Bundeswehr auf der Afghanistan-Konferenz nächste Woche in London besprechen. (Fotos : Reuters, AFP

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg will die Kritik von US-General Stanley McChrystal an der Einsatzstrategie der Bundeswehr auf der Afghanistan-Konferenz nächste Woche in London besprechen. (Fotos : Reuters, AFP

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg will die Kritik von US-General Stanley McChrystal an der Einsatzstrategie der Bundeswehr auf der Afghanistan-Konferenz nächste Woche in London besprechen. (Fotos : Reuters, AFP

Berlin. Die deutschen Soldaten in Nordafghanistan scheuen das Risiko und spielen so den Taliban in die Hände. Das ist das Fazit einer massiven Kritik, die der amerikanische Oberbefehlshaber der internationalen Nato-Soldaten in Afghanistan, Stanley McChrystal, an der Einsatzstrategie der Bundeswehr geübt hat. Mitten in der innerdeutschen Debatte um eine etwaige Truppenaufstockung über die bisher geltende Obergrenze von 4500 Soldaten sagte McChrystal in einem Interview, dass die deutschen Soldaten öfter als bisher ihre Feldlager verlassen und auch ohne gepanzerte Fahrzeuge Präsenz zeigen müssten. Den Taliban gehe es darum, die Sicherheitskräfte von der Bevölkerung zu trennen. Sie erzeugten eine Situation, "dass die Sicherheitskräfte in ihren Feldlagern bleiben, ihre gepanzerten Fahrzeuge nicht mehr verlassen, kaum noch Kontakt zur Bevölkerung haben. Dann mögen die Sicherheitskräfte noch vor Ort sein - aber sie sind irrelevant. Wenn die Aufständischen das schaffen, haben sie ihre Mission erfüllt", sagte der General. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) reagierte reserviert auf die Äußerungen: "Ich sehe das nicht als Kritik, sondern als eine Realitätsbeschreibung, der sich die internationale Staatengemeinschaft zu stellen hat." Das Thema werde auf der Afghanistan-Konferenz nächste Woche in London eine Rolle spielen. Der SPD-Oppositionsführer im Bundestag, Frank-Walter Steinmeier, sprach sich dafür aus, die Bundeswehr im Zeitraum 2013 bis 2015 komplett aus Afghanistan abzuziehen. Dieses Ziel sei "ehrgeizig, aber realistisch", sagte Steinmeier der Wochenzeitung "Die Zeit".

Kundus-Ausschuss: SPD wirft Union Verzögerungstaktik vor

Unterdessen startet der Untersuchungs-Ausschuss zur Kundus-Katastrophe am Donnerstag in aufgeheizter Atmosphäre. SPD, Grüne und Linkspartei werfen der Union Verfahrenstricks vor. So sollen die politisch Verantwortlichen (Guttenberg, Merkel) und die militärische Führung (Ex-Generalinspekteur Schneiderhan) erst am Ende, eventuell erst 2011, befragt werden. Die Opposition sieht darin eine Verzögerungstaktik. Vor allem die SPD will die Polit-Prominenz, notfalls mit gerichtlicher Hilfe, noch in diesem Frühjahr vorladen. Der Ausschuss soll die Hintergründe des von einem Bundeswehr-Oberst angeordneten Luftschlags auf zwei von Taliban gekaperte Tanklaster in der Nähe der Stadt Kundus klären. Dabei waren am 4. September 2009 bis zu 142 Menschen getötet oder verletzt worden, darunter auch viele Zivilisten.

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