Heimkehrer kämpfen gegen die Erlebnisse im Kriegsgebiet. Die Sicherheitslage verschlechtert sich weiter.

Deutsche Soldaten der Nato-geführten Isaf-Truppe patrouillieren durch die nordafghanische Provinzhauptstadt Kunduz.
Deutsche Soldaten der Nato-geführten Isaf-Truppe patrouillieren durch die nordafghanische Provinzhauptstadt Kunduz.

Deutsche Soldaten der Nato-geführten Isaf-Truppe patrouillieren durch die nordafghanische Provinzhauptstadt Kunduz.

dpa

Deutsche Soldaten der Nato-geführten Isaf-Truppe patrouillieren durch die nordafghanische Provinzhauptstadt Kunduz.

Berlin/Kunduz. Sie leben in ständiger Furcht vor Anschlägen, sehen Kameraden sterben und werden im Kriegsgebiet mit dem Elend der Bevölkerung konfrontiert: Die seelischen Verwundungen deutscher Soldaten im Auslandseinsatz nehmen rasant zu. Besonders betroffen von den posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) sind Heimkehrer aus Afghanistan. Das teilte das Verteidigungsministerium gestern auf Anfrage der Bundestagsabgeordneten Elke Hoff (FDP) mit.

Danach registrierte die Bundeswehr im vergangenen Jahr bei 226 in Afghanistan eingesetzten Soldaten ein schweres Kriegstrauma, 2006 waren es dagegen nur 55. Insgesamt wurde die Erkrankung in den vergangenen drei Jahren bei 477 Soldaten diagnostiziert. Dies entspricht 0,77Prozent der 62000 eingesetzten Bundeswehrsoldaten, von denen derzeit rund 3600 im Rahmen der Isaf-Mission in Afghanistan stationiert sind.

Bei den Streitkräften der USA oder skandinavischer Länder beträgt dieser Wert vier bis fünf Prozent. Experten gehen jedoch von einer hohen Dunkelziffer aus. Viele Betroffene versuchten, mit den Problemen allein zurecht zu kommen. "Ich glaube, dass es wichtig ist, eine Entstigmatisierung zu betreiben", sagte Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU). Zu den typischen PTBS-Symptomen gehören Angstzustände, Reizbarkeit, Schlafstörungen und Suchtprobleme.

Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Reinhold Robbe, warf der Bundeswehr Versäumnisse bei der Erkennung und Behandlung erkrankter Rückkehrer vor. Er forderte, die Politik müsse eine "vernünftige Prophylaxe auf die Beine stellen". Jung kündigte an, ein Kompetenz- und Forschungszentrum einrichten zu wollen.

Mit Blick auf die verschärfte Sicherheitslage in Afghanistan dürfte die Zahl traumatisierter Soldaten weiter steigen. "Da die USA ihre Truppen im Süden aufstocken, drängen die Taliban verstärkt zu uns in den Norden. Wir müssen also damit rechnen, dass die Anschläge in Kunduz weiter zunehmen", hieß es im Feldlager des deutschen Wiederaufbauteams gegenüber unserer Zeitung.

Die afghanischen Behörden haben den mutmaßlichen Drahtzieher des Anschlags nahe der deutschen Botschaft in Kabul von Mitte Januar gefasst. Es handele sich um einen Pakistaner, der vermutlich der Anführer einer 17-köpfigen Extremistengruppe sei, teilte die Nationale Sicherheitsbehörde mit. Vernehmungen hätten ergeben, dass die deutsche Botschaft "Zielscheibe" des Anschlags gewesen sei. Dabei waren vier Zivilisten und ein US-Soldat getötet worden. Die Gruppe gehört demnach zu dem den Taliban nahestehenden afghanischen Haqqani-Netzwerk sowie zu der Gruppe Harakat-ul-Mujahideen.

Aufständische haben eine der wichtigsten Nachschubrouten für die Nato-Truppen lahmgelegt. Sie sprengten eine Brücke am Khyber-Pass im Nordwesten des Landes. Hunderte Lkw stecken fest. Die Gefahr von Engpässen gibt es laut Nato indes nicht. Der Großteil der Ausrüstung und Versorgung der Nato-Truppen und der US-geführten Streitkräfte in Afghanistan kommt über den Khyber-Pass. 1920 bis 1925 wurde er durch eine Bahnlinie von Pakistan aus erschlossen. Diese wurde von der britischen Besatzung aus militärischen Gründen gebaut, um schnell Truppen in das Gebiet zu Afghanistan verlegen zu können.

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