Im Land am Nil stehen die Zeichen auf Konfrontation. Oppositionsführer El Baradei warnt vor einer Hexenjagd.

Zusammenstöße
Anhänger des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi schreien ihre Verzweiflung heraus. Bislang sind die gewaltbereiten Islamisten bei den Demonstrationen eine Randerscheinung. Aber wie lange noch?

Anhänger des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi schreien ihre Verzweiflung heraus. Bislang sind die gewaltbereiten Islamisten bei den Demonstrationen eine Randerscheinung. Aber wie lange noch?

dpa

Anhänger des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi schreien ihre Verzweiflung heraus. Bislang sind die gewaltbereiten Islamisten bei den Demonstrationen eine Randerscheinung. Aber wie lange noch?

Kairo. Wieder einmal ist Kairos Innenstadt an manchen Stellen ein Trümmerfeld. An der 6. Oktober-Brücke kehrt die städtische Müllabfuhr den Schutt und die Scherben der nächtlichen Straßenschlachten weg. Anhänger und Gegner des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi waren hier zu Hunderten mit Stöcken, Eisenstangen, Feuerwerkskörpern und Molotow-Cocktails aufeinander losgegangen. Es gab viele Tote und Verletzte.

Wahlvolk der Bruderschaft fühlt sich um den Sieg betrogen

Am Mittwoch hatte die Armeeführung Mursi entmachtet, den ersten freigewählten Präsidenten in der Geschichte des Landes. Ein Jahr lang hatte der dogmatische Funktionär aus der Muslimbruderschaft chaotisch und autoritär regiert und damit am Ende Massenproteste provoziert. Jetzt protestieren die Islamisten in Massen, und wieder sind Dutzende Tote zu beklagen. Der Coup der Militärs hat die Anhängerschaft der Bruderschaft zunächst schockiert und dann in Rage versetzt.

Deren Führung hat sich zwar im Prinzip für friedlichen Widerstand ausgesprochen, und die gewaltbereiten Islamisten sind bislang eine Randerscheinung. Doch die Wut kocht hoch, das Wahlvolk der Bruderschaft fühlt sich um die Früchte eines legitimen Urnengangs betrogen.

Der Umgang der Militärführung mit den politisch ins Abseits manövrierten Muslimbrüdern ist ambivalent. Etliche ihrer Spitzenleute, unter ihnen Mursi, ließ sie festsetzen, allerdings sind einige wieder frei. Zugleich sind ihre Spitzen zu den Verhandlungen über die künftige zivile Regierung eingeladen. Zutiefst beleidigt, wie sie sich fühlen, schlugen sie das Gesprächsangebot zunächst aus.

Falschmeldung: El Baradei zum Chef einer Übergangsregierung gekürt

„Die Muslimbrüder sind ein wesentlicher Bestandteil unserer Gesellschaft“, meinte der Oppositionsführer Mohammed El Baradei. Er warnte vor einer Hexenjagd gegen die Anhänger des ausgebooteten Präsidenten.

Das Auswärtige Amt hat seine Reisewarnung für Ägypten verschärft. Ausgenommen von der Warnung sind nur Nil-Kreuzfahrten sowie Reisen in die Touristengebiete am Roten Meer, nach Luxor und Assuan. Ausdrücklich gewarnt wird vor Reisen ins ägyptisch-israelische Grenzgebiet sowie in den Nordsinai.
 

 

Die Kairoer Medien hatten den Ex-Diplomaten und Friedensnobelpreisträger am Samstagabend schon zum Chef der künftigen Übergangsregierung gekürt. Später wurde das dementiert. Seine Ernennung scheiterte am Widerstand der Salafisten, jener ultra-frommen Islamisten, die zunächst mit den Muslimbrüdern verbündet waren, sich aber zuletzt der Oppositionsallianz um El Baradei angeschlossen hatten. Ihnen ist der weltläufige Gentleman-Politiker zu liberal.

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