Die Abhöraffäre weitet sich aus: Rupert Murdochs Reporter spionierten die Familie des Ex-Premiers aus.

Gordon Brown wollte seine Frau und seine Kinder vor Murdochs Zeitungen schützen – vergeblich.
Gordon Brown wollte seine Frau und seine Kinder vor Murdochs Zeitungen schützen – vergeblich.

Gordon Brown wollte seine Frau und seine Kinder vor Murdochs Zeitungen schützen – vergeblich.

dpa

Gordon Brown wollte seine Frau und seine Kinder vor Murdochs Zeitungen schützen – vergeblich.

London. Ex-Premier Gordon Brown zählt nicht zu den Zartbesaiteten, doch britische Boulevardjournalisten haben den Schotten zum Weinen gebracht. Neue Enthüllungen zur Arbeitsweise bei den britischen Rupert-Murdoch-Blättern decken auf, wie Brown mit der Patientenakte seines Sohnes erpresst wurde.

Beinahe täglich melden sich Betroffene zu Wort, die von einer der vier britischen Murdoch-Zeitungen drangsaliert, abgehört und in Zeiten persönlicher Krisen in ihrer Privatsphäre verletzt wurden. Prominentestes Opfer ist seit gestern Ex-Premier Gordon Brown, dessen Sohn Fraser an der schweren Stoffwechselkrankheit Mukoviszidose erkrankt ist. „Eines Tages riefen Leute von der Sun bei uns“, berichtete Brown in der BBC, „sie sagten, sie wüssten um Frasers Erkrankung und wollten die Geschichte auf die Titelseite heben.“

Der ehemalige Labour-Regierungschef sei „in Tränen ausgebrochen“: „Meine Frau und ich waren unsäglich aufgewühlt. Wir wollten unsere Kinder vor der Öffentlichkeit schützen. Aber gegen so etwas kann man sich nicht wehren – wir wussten ja nicht einmal, wie die Sun von Frasers Krankheit erfahren hatte.“ Zumindest die letzte Frage dürfte geklärt sein: Die Zeitung, die genau wie die Times und die gerade eingestellte News of the World zum Medienimperium des Australiers Rupert Murdoch gehört, hat sich unerlaubt Zugang zu Browns Arztakten verschafft.

80-jähriger Medienmogul Murdoch steht mit dem Rücken zur Wand

In seiner Zeit als Schatzkanzler knackten Journalisten außerdem sein Bankkonto: Sie riefen einfach die Heimatfiliale seines Geldinstituts an und gaben sich als „Gordon Brown“ aus.

Für den 80-jährigen Rupert Murdoch brechen stürmische Zeiten an. Der Australier hat sich selbst nach London begeben, um die Krise zu steuern. Gestern sah er sich gezwungen, den Kursverfall seiner Aktien durch Zukäufe zu stabilisieren. Die millionenschwere Übernahme des Senders Sky steht angesichts des Skandals ebenfalls auf der Kippe. Spekuliert wird, dass Murdoch bald auch die Sun, die Times und die Sunday Times abstoßen könnte.

Mit 4000 Abhöropfern rechnet Scotland Yard, darunter Angehörige von Kriminal- und Terroropfern, aber auch Prinz Harry und Prinz William. Untersucht wird derzeit, ob die Murdoch-Blätter einem Schutzbeamten der Royals Geld für Interna gezahlt haben.

Die Hinweise verdichten sich, dass ein Polizist in Südengland mit Ermittlungstechnik geholfen hat, Handys wichtiger Personen zu lokalisieren und ihr Bewegungsprofil an die Zeitungen zu verkaufen.

Dass er persönlich wegen der illegalen Abhörmethoden vernommen wird, ist nicht mehr auszuschließen. Damit ist der Medienmogul, einst sogar von der zähen Margaret Thatcher hofiert, in nur einer Woche vom Business-Liebling zum Paria Großbritanniens gestürzt.

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