Der SED-Zeitung "Neues Deutschland" ist der Rücktritt Erich Honeckers nur einen kurzen Artikel wert. Alles ist auf den neuen SED-Chef ausgerichtet. Egon Krenz sucht öffentlichkeitswirksam den Dialog. Gleich am ersten Tag in seinem neuen Amt besucht er eine Maschinenfabrik und diskutiert mit Arbeitern, anschließend trifft er sich mit Vertretern der evangelischen Kirche.

Immer dabei: Kamerateams des DDR-Fernsehens. Reformzusagen macht Krenz jedoch nicht. Im Gegenteil: Als die Journalisten weg sind, warnt Krenz Landesbischof Werner Leich vor "unbedachten Handlungen".

Im Hintergrund gibt es jedoch tatsächlich erste Reformvorbereitungen. Der Ministerrat beschließt, dass ein neues Reisegesetz ausgearbeitet werden soll. Zudem wird das Postministerium angewiesen, das Verbot der deutschen Ausgabe der reformorientierten sowjetischen Zeitschrift "Sputnik" aufzuheben. In Halle werden hingegen Vertreter des "Neuen Forums" festgenommen, als sie versuchen, eine Protestveranstaltung zu organisieren.

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