Der Augenarzt, der nach 37 Jahren ein zweites Mal sein Abitur machte, darf nicht Jura studieren.

Augenarzt Eckhard Roth präsentiert sein zweites Abiturzeugnis.
Augenarzt Eckhard Roth präsentiert sein zweites Abiturzeugnis.

Augenarzt Eckhard Roth präsentiert sein zweites Abiturzeugnis.

Judith Michaelis

Augenarzt Eckhard Roth präsentiert sein zweites Abiturzeugnis.

Düsseldorf. Eckhard Roth hat Doktortitel in Medizin und Physik, ein Diplom in Mathematik und ist Augenoptikermeister:

Doch bundesweit Furore hat der Düsseldorfer Augenarzt gemacht, als er nach 37 Jahren erneut zum Abitur antrat und die Prüfungen bestand.

Jetzt präsentierte er seinen neuesten Plan: Er will noch einmal Jura studieren und damit eine alte Scharte auswetzen. In Rechtswissenschaften war er nämlich einst durch eine Zwischenprüfung gerasselt und aus dem Studium geworfen worden.

Der Düsseldorfer Bezirksregierung ist das lebenslange Lernen des Dr. Dr. Roth inzwischen aber suspekt: Sie hat die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Ein Sprecher der Ermittlungsbehörde bestätigte den Eingang der Sache.

„Wir prüfen den Sachverhalt nun auf strafrechtliche Relevanz.“ Bislang habe man aber kein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Es handele sich auch nicht um eine Strafanzeige.

Universität Düsseldorf lehnt Antrag auf Studienplatz ab – Roth klagt

Freunde hatten Roth nicht zugetraut, dass er das Abitur noch mal hinbekommt. Doch der 55-Jährige hielt dagegen.

Dass er bereits mit Doktortiteln gesegnet ist und sein Abitur längst in der Tasche hat, musste er verschweigen, um am Niederrhein-Kolleg angenommen zu werden. In einem fingierten Lebenslauf wurde er so zum weltenbummelnden Koch, der jetzt Versäumtes nachholen wolle. Und eine Erklärung, dass er die Abiturprüfung zum ersten Mal ablegen würde, gab er ebenfalls ab – schriftlich natürlich.

Wie alles rauskam: Roth besuchte einen Lehrer des Kollegs, um ihm zu danken, nachdem er bestanden hatte. Doch der verstand den Spaß nicht und meldete ihn bei der Bezirksregierung.

„Das können die alles gerne überprüfen, da habe ich kein Problem mit“, sagt Roth, der sich über den Schritt der Bezirksregierung „wundert“.

„Die sind schon ein bisschen spaßfrei.“ Er habe zwar bei seinem Lebenslauf geschwindelt, um erneut Abitur machen zu können, aber das habe er von sich aus zugegeben. Auf die Idee, es mit neuem Abitur noch mal mit Jura zu versuchen, habe ihn ein Freund gebracht.

Die Universität Düsseldorf will dem studierwilligen 55-Jährigen aber keine zweite Chance geben. Sie hat seinen Antrag auf einen Studienplatz abgelehnt – dagegen ist Roth nun vor das Verwaltungsgericht gezogen: „Der Rechtsweg steht jedem offen. Frau Schavan klagt gegen die Uni – ich auch.“ Es ist schon das zweite Mal, dass sich Roth ins Jura-Studium einklagen will.

Mit einem neuen Abitur habe er sich auch einen neuen Anlauf verdient, findet Roth. „So ein Fall dürfte für die Uni Neuland sein.“ Als Jurist arbeiten wolle er ohnehin nicht: „Ich habe als Augenarzt den schönsten Beruf der Welt.“

Doch die Bezirksregierung fordert sein Abiturzeugnis von 2013 zurück. Es sei ungültig, weil man sein Abitur nur einmal machen dürfe. Man wolle der weiteren Irreführung durch den Augenarzt einen Riegel vorschieben.

Roth hatte 1976 die erste Abi-Prüfung am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Düsseldorf abgelegt, der Nachfolge-Schule von Heinrich Spoerl, dem Autoren der „Feuerzangenbowle“.

In der berühmten Verfilmung des Romans schmuggelt sich der von Heinz Rühmann gespielte Schriftsteller Pfeiffer „mit drei f“ als Schüler in den Unterricht. Der Bezirksregierung war der Schwindel mit dem Lebenslauf nicht aufgefallen. Nach einer Abiturnote 1,8 im Jahr 1976 schaffte er das Abi 2013 mit 3,0.

Behörden finden die Sache „nicht mehr witzig“

Zuerst habe man ja auch geschmunzelt, aber inzwischen sei die Angelegenheit „nicht mehr witzig“, sagte ein Behördensprecher – und fährt schweres Geschütz auf: „Wir sind die Behörde, die auch die Approbationen zu prüfen hat. Irgendwann könnte sich die Frage stellen, wie seriös und zuverlässig er als Arzt ist.“

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