Die Holocaust-Überlebende wurde 101 Jahre alt. Im Krieg von westfälischen Bauern versteckt.

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Marga Spiegel wurde 2010 für ihren „unermüdlichen Einsatz als Zeitzeugin“ mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. (dpa)

Marga Spiegel wurde 2010 für ihren „unermüdlichen Einsatz als Zeitzeugin“ mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. (dpa)

Jens Kalaene

Marga Spiegel wurde 2010 für ihren „unermüdlichen Einsatz als Zeitzeugin“ mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. (dpa)

Münster. Marga Spiegel ist tot. Die Holocaust-Überlebende, deren Geschichte der Kino-Film „Unter Bauern“ erzählt, starb im Alter von 101 Jahren am Dienstag in Münster. Das teilte die Jüdische Gemeinde Münster mit und bestätigte damit Informationen der „Westfälischen Nachrichten“. Die Familie von Marga Spiegel (Jahrgang 1912) war von den Nationalsozialisten verschleppt und ermordet worden. Sie selbst überlebte mit Mann und Tochter, weil fünf Bauern-Familien aus dem Münsterland die damals 30-jährige Jüdin zwischen 1943 und 1945 bei sich versteckten. Die Rolle der Marga Spiegel spielte im Film Veronica Ferres.

„Die Brückenbauerin zur nichtjüdischen Mehrheit hat sich verabschiedet.“

Sharon Fehr, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Münster

Das Land Nordrhein-Westfalen hatte Marga Spiegel, Tante des früheren Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, im November 2013 mit dem Verdienstorden ausgezeichnet. Sie trete als Zeugin der Gräueltaten der Naziherrschaft seit Jahrzehnten dafür ein, dass diese Zeit nicht in Vergessenheit gerät, sagte damals die stellvertretende nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann (Grüne) bei der Ordensverleihung.

Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Münster, Sharon Fehr, würdigte Spiegel in einer schriftlichen Stellungnahme als große jüdische Persönlichkeit, die nach langer schwerer Krankheit gestorben sei. „Ihre Stimme gegen Antisemitismus, Ausgrenzung und Menschenverachtung ist für immer verstummt. Die Brückenbauerin zur nichtjüdischen Mehrheit hat sich verabschiedet“, schreibt Fehr.

Sehr viele ihrer Familienangehörigen starben während der Naziherrschaft. Marga Spiegel hat darüber in Schulen gesprochen und ein Buch geschrieben, das als Vorlage für die Verfilmung diente. Im Sommer wurde eine neue Schule in Werne (Kreis Unna) nach Marga Spiegel benannt.

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