Zeiten des Aufruhrs
April (Kate Winslet) und Frank Wheeler (Leonardo DiCaprio) stehen sich gegenüber.

April (Kate Winslet) und Frank Wheeler (Leonardo DiCaprio) stehen sich gegenüber.

dpa

April (Kate Winslet) und Frank Wheeler (Leonardo DiCaprio) stehen sich gegenüber.

Hamburg (dpa) - 1997 standen Kate Winslet und Leonardo DiCaprio zuletzt gemeinsam vor der kamera, als romantisches Liebespaar an Bord der mit elf Oscars ausgezeichneten «Titanic».

Vor zwei Jahren spielten die beiden die Hauptrollen in der ambitionierten Literaturverfilmung «Zeiten des Aufruhrs» (ProSieben, 20.15 Uhr) - ein großes, schmerzensreiches, bis in die Nebenrollen hochkarätig besetztes Ehedrama, das bereits für vier Golden Globes nominiert wurde.

Der britische Regisseur Sam Mendes («American Beauty», «Road to Perdition»), seit einigen Jahren Ehemann von Kate Winslet, hat Richard Yates' Roman, der 1961 erschien, stilsicher und nah an der Vorlage adaptiert. In diesem «Great Gatsby unserer Zeit», wie Autorenkollege Kurt Vonnegut dieses Werk einmal ehrfürchtig nannte, findet sich in der Geschichte einer dramatisch scheiternden Ehe die Desillusionierung einer ganzen Generation wieder.

Frank Wheeler (DiCaprio) kämpfte im Zweiten Weltkrieg an der Front, besuchte eine renommierte Universität und muss Mitte der 1950er Jahre erkennen, dass er seinen öden Bürojob in New York hasst und das Leben in der blitzsauberer Vorstadtidylle grässlich findet. Noch mehr leidet seine Ehefrau April (Winslet) unter der Situation. Ihr Alltag als Hausfrau und Mutter inmitten bigotter Nachbarn und Spießer hängt ihr zum Hals heraus. Sie versucht Frank davon zu überzeugen, alles hinzuschmeißen und nach Paris auszuwandern. Zunächst scheint ihr Ehemann von dem Plan begeistert zu sein, aber als April wieder schwanger wird, zerplatzen die Träume vom selbstbestimmten Leben so schnell wie Seifenblasen. Die Katastrophe nimmt ihren Lauf.

Aber für diese Tragödie scheint es keinen Schuldigen zu geben. Die Dinge passieren einfach, Franks freudloser Seitensprung mit der Sekretärin ebenso wie Aprils alkoholisierter Beischlaf mit dem Nachbarn im Auto. Fremdgehen gehört zum Leben wie Blumengießen und Kinderkriegen. Letztlich ist es der Konformismus, gegen den beide einfach nicht ankommen. Frank ist trotz seiner Ambitionen nur einer der namenlosen Pendler, die jeden Tag die Vorortzüge bevölkern. In New York verschwindet er im Heer der Angestellten, die auf die Bürotürme zusteuern.

Manchmal sind die Bilder etwas plakativ geraten, die Inszenierung von Sam Mendes wirkt bisweilen zu routiniert, als würde er den Roman nur brav abarbeiten. Weniger Scotch, Zigaretten und weite Anzüge und mehr innere Spannung und Plausibilität hätten dem Drama gut getan. Trotzdem ist es faszinierend, Kate Winslet und Leonardo DiCaprio dabei zuzuschauen, wie sie ihre Liebe langsam aber zielstrebig zu Grabe tragen.

Schon die ersten Szenen mit Aprils misslungener Theateraufführung und dem anschließenden Streit, unterbrochen von Rückblenden aus glücklichen Zeiten, zeigen das ganze Dilemma dieser Beziehung, die zwischen Euphorie und Depression dem Abgrund entgegentrudelt. Nur John (Michael Shannon), der als Psychopath abgekanzelte Sohn der bigotten Maklerin Helen (wunderbar: Kathy Bates), sagt dem Paar die Wahrheit auf drastische Art und Weise. Es ist «die hoffnungslose Leere», die alles umgibt. So verwelkt alles wie die Gartenblumen, für die April keine Verwendung hat.

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