Bewohner von Inseln und Halligen sind von der Außenwelt abgeschnitten. Auch auf dem Festland kam das Leben zum Erliegen.

Orkan
„Land unter“ auf der nordfriesischen Hallig Langeneß in Schleswig-Holstein. Sie ist derzeit von der Außenwelt abgeschnitten. Fotos (2): dpa

„Land unter“ auf der nordfriesischen Hallig Langeneß in Schleswig-Holstein. Sie ist derzeit von der Außenwelt abgeschnitten. Fotos (2): dpa

Die weltbekannte Auktionshalle am Hamburger Fischmarkt lief gestern Abend voll Wasser. Insgesamt waren für die Stadt drei Sturmfluten vorausgesagt.

Maja Hitij, Bild 1 von 2

„Land unter“ auf der nordfriesischen Hallig Langeneß in Schleswig-Holstein. Sie ist derzeit von der Außenwelt abgeschnitten. Fotos (2): dpa

Husum. Tosender Sturm, peitschende Wellen, Regen, Gewitter, Hagel, umstürzende Bäume – mit Urgewalt hat Orkantief „Xaver“ am Donnerstag in Norddeutschland gewütet. Mittags erreichten die ersten Orkanböen Helgoland und die nordfriesischen Inseln, bevor sie auch das Festland durchpusteten. Um 15 Uhr tobte „Xaver“ schon mit 126 Stundenkilometern.

 

„Ein richtig hohes Land unter.“

Jörg Dell Missier, Hallig Hooge

Angespannt, aber immer noch relativ norddeutsch-gelassen rüsteten sich viele Schleswig-Holsteiner für die verbleibende Orkanzeit. Ungewöhnlich schnell liefen die Halligen – kleine Inseln, die bei Sturmfluten überschwemmt werden können, – schon am Nachmittag voll. Wasserstände von bis zu zweieinhalb Metern über dem normalen Hochwasser stellten sich ein. „Ein richtig hohes Land unter“ vermeldete Jörg Dell Missier von der Hallig Hooge. „Sehr viel Wasser, sehr viel Wind – nun müssen wir abwarten, was in der Nacht passiert.“

Dennoch verlief „Xaver“ bis gestern Abend in Deutschland glimpflicher als erwartet. Der Nordseeküste wurden zunächst bis zu dreieinhalb Meter über Normal vorhergesagt – ab dann gilt eine Sturmflut als sehr schwer. Später war noch von drei Metern die Rede. Zwar stand das Wasser am Nachmittag in Husum um gut drei Meter höher als bei normalem Hochwasser und damit weit über dem für diesen Zeitpunkt erwarteten Maß, aber die erste schwere Sturmflut von drei angekündigten richtete offenkundig noch keine größeren Schäden an. Doch die Stunde der Wahrheit sollte erst in der Nacht schlagen. In Hamburg etwa wurde am Abend bereits der Fischmarkt überschwemmt.

Außergewöhnlich große Schiffe durften weder in die Elbe einlaufen noch den Hamburger Hafen verlassen. Inseln waren vom Festland aus nicht mehr zu erreichen, weil keine Fähren mehr fuhren. Der Fernverkehr der Bahn sowie der Busverkehr in Dithmarschen und Nordfriesland wurden eingestellt, in einem Großteil des Landes fiel der Schulunterricht aus.

„Hier weht es fürchterlich.“

Lutz Hardersen, Helgoland

In Schleswig-Holstein machten Kitas, Kreisverwaltungen und Rathäuser dicht. Wer konnte, fuhr mittags von der Arbeit nach Hause. Innenstädte und Dörfer wirkten wie leer gefegt. Bis zur letzten Minute wurden Häuser und Baugerüste gegen die Sturmfluten gesichert, Sandsäcke geschleppt, windanfällige Teile hereingeholt. Dann hieß es abwarten: „Wir haben uns zu Hause eingeigelt“, erzählt der Helgoländer Lutz Hardersen. „Hier weht es fürchterlich.“

Beruhigende Worte hielt der Hamburger und Altkanzler Helmut Schmidt indes für die Norddeutschen parat. Er hielt die Gefahr von Überschwemmungen und Zerstörungen durch das Sturmtief „Xaver“ für geringer als bei der Hamburger Sturmflut 1962, bei der er als Hamburger Innensenator die Hilfsmaßnahmen koordiniert hatte. „Die Flutmauern und Deiche sind seit damals erheblich verstärkt und erhöht worden“, sagte er der „Bild“.

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