Die Bahn baut am elektronischen Stellwerk. Das führt zu fünf zugfreien Wochenenden. Zehntausende Kunden sind betroffen.

Die Bahn baut am elektronischen Stellwerk. Das führt zu fünf zugfreien Wochenenden. Zehntausende Kunden sind betroffen.
Das alte Stellwerk in Wuppertal-Vohwinkel wird 2017 durch ein elektronisches Stellwerk ersetzt.

Das alte Stellwerk in Wuppertal-Vohwinkel wird 2017 durch ein elektronisches Stellwerk ersetzt.

Stefan Fries

Das alte Stellwerk in Wuppertal-Vohwinkel wird 2017 durch ein elektronisches Stellwerk ersetzt.

Wuppertal. Wuppertal ist verkehrstechnisch gebeutelt. Die B7, die Hauptverkehrsader der Stadt, ist seit Mitte 2014 für drei Jahre gesperrt. Im vergangenen Jahr war die A46 mehrfach über Tage gesperrt – was Wuppertal ins Verkehrschaos stürzte. Zudem war die Bergische Metropole auch an einigen Tagen ohne Schienenverkehr. Und genau das passiert jetzt wieder. An fünf Wochenenden bis Mitte März ist Wuppertal vom Bahnverkehr abgeschnitten (siehe Kasten). Die Bahn geht von täglich zehntausenden Betroffenen aus.

Die Umstellung auf digitale Weichentechnik dauert vier Jahre

Grund, damals wie heute: Das elektronische Stellwerk (ESTW) in Wuppertal-Vohwinkel. Die Bahn baut seit 2013 an der Umstellung von der veralteten Relaistechnik auf die digitale Weichen- und Signaltechnik. Das ist ein langwieriger Prozess, der viele Teilschritte erfordert und für vier Jahre angesetzt ist. Tobias Hauschild von der DB Netz AG Düsseldorf, der für den Bahnbetrieb in Wuppertal verantwortlich ist, sagt: „Wir müssen das alte Stellwerk mit allen Komponenten erneuern, als hätte es bisher keines gegeben.“ Das beinhaltet 374 000 Meter Kabel, 387 Signale, 195 neue Signalfundamente und -maste sowie 98 Weichen. „Das umfasst also alles, was wir zum Steuern einer Eisenbahnanlage brauchen“, fasst Hauschild zusammen. Die Kosten liegen bei 32 Millionen Euro.

Die anstehenden Sperrungen sind vor allem durch die Arbeiten an den Quertragfeldern in Steinbeck begründet. Die tragen die Oberleitungen. „Bei solchen Arbeiten kann man nicht nur ein Gleis sperren“, erklärt Hauschild. Zudem würden weitere Signale gesetzt. „Die Sperrpausen sollen voll genutzt werden. Da werden mehrere Gewerke gleichzeitig eingesetzt.“

Am Ende sollen die vielen bahnfreien Wochenenden in Wuppertal zu einem besseren Bahnverkehr führen. Durch das ESTW werden etwa beide Strecken in beide Richtungen befahrbar. „Das war mit der vorherigen Technik nicht möglich“, sagt Hauschild. Wenn eine Strecke durch eine Störung gesperrt ist, können in Zukunft beide Fahrtrichtungen weiter bedient werden.

Darauf freut sich auch die Stadt. Stadtsprecherin Martina Eckermann sagt, dass die Arbeiten natürlich Einschränkungen mit sich brächten, aber die Stadt sich auf mehr Pünktlichkeit und Verlässlichkeit beim Zugverkehr freue.

Wer jetzt über den Bahnhof Vohwinkel geht, sieht aber keine Baustelle. Das alte Stellwerk, ein grün-grauer Turm mit einer Arbeitsebene in einigen Metern Höhe, steht da wie gehabt. Ein offenes Fenster deutet auf Betrieb hin. Der bleibt bis zum 30. August 2017 bestehen. „Das neue Stellwerk steht aber schon“, sagt Hauschild. Und zwar als langer Flachbau auf der anderen Gleisseite. Dort, wie in Wuppertal-Steinbeck, läuft die Technik zusammen. Gesteuert wird das Stellwerk von einem Bahngebäude in der Nähe. Überlegungen, das ESTW von Duisburg aus steuern zu lassen, wurden verworfen.

Das ESTW löst die Stellwerke am Wuppertaler Hauptbahnhof, in Vohwinkel und in Haan-Gruiten ab, die 1964 und 1976 in Betrieb gegangen sind. Danach gibt es laut Bahn erst einmal keine Projekte in Wuppertal. Aber vor der Inbetriebnahme des ESTW wird Wuppertal noch mal für die Oster- und Sommerferien 2017 vom Bahnverkehr abgeschnitten.

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