Chicago/Oxford (dpa) ­ Wenn ein Raubvogel schreit, werden die meisten Vögel ganz still und ducken sich ins Gebüsch. Die Männchen der kleinen, bunten australischen Türkisstaffelschwänze sind da ganz anders: Wenn sie ihre Feinde hören, setzen sie noch eins drauf und fangen selbst an zu singen.

Damit sollen die aufgeschreckten Weibchen auf sie aufmerksam werden, berichten amerikanische Biologen in der britischen Zeitschrift «Behavioral Ecology».

Die Männchen des bunten australischen Türkisstaffelschwanzes (Malurus splendens) haben zwei typische Rufe. Emma Greig und Stephen Pruett-Jones von der Universität Chicago fanden heraus, dass die Männchen einen davon oft erst anstimmten, wenn der Ruf ihrer schlimmsten Feinde, der australischen Krähenwürger, ertönt war. Die kleinen Vögel setzen ihren eigenen Gesang praktisch auf den des Räubers. Damit bringen sie sich selbst in Gefahr, da sie ihren Standort verraten - erhalten aber die Aufmerksamkeit der Weibchen.

Mit verschiedenen Kombinationen von Tonaufnahmen fanden die Forscher heraus, dass die Weibchen auf die Gesänge ihrer Verehrer viel stärker reagierten, wenn vorher der aufschreckende Ruf des Feindes ertönte. Es scheint, als ob die Männchen anfangen zu singen, wenn sie wissen, dass sie ein aufmerksames Publikum haben.

Die Forscher nennen dies den «Scary-Movie-Effekt»: Das Männchen nutzt die Angst des Weibchens, um dessen Aufmerksamkeit auf sich selbst zu richten - ebenso wie junge Männer im Kino darauf hoffen, dass die Mädchen sich bei spannenden Filmen in ihre Arme kuscheln.

Die australischen Türkisstaffelschwänze haben eine einzigartige, promiske Sozialstruktur: Sie bilden lebenslang haltbare «Ehen», paaren sich aber oft mit anderen Artgenossen aus der Nachbarschaft.

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