New York (dpa) - US-Forscher haben nach eigenen Angaben Labormäuse erfolgreich gegen Kokain geimpft. Die Wissenschaftler kombinierten dazu ein gewöhnliches Erkältungsvirus mit einem chemischen Kokain-Imitat.

Diese Kombination setze das Immunsystem in Marsch, das nicht nur das Erkältungsvirus als Eindringling erkenne, sondern nach der Impfung auch das Kokain, berichten die Wissenschaftler in einer Mitteilung. Mit dieser Strategie hoffen sie, das Kokain im Körper abfangen zu können, bevor es das Gehirn erreicht. Bei den Labormäusen habe das über mindestens 13 Wochen gut funktioniert. Ob daraus allerdings jemals eine Therapie für Menschen wird, ist noch offen.

Das Team um Ronald Crystal von der Cornell-Universität beschreibt seine Versuche im Journal «Molecular Therapy». Die Idee einer Impfung gegen Kokain ist nicht neu. Da es - anders als etwa für Heroin - keinen Ersatzstoff für Kokain gibt, versuchen Forscher seit längerem, das Immunsystem gegen Kokain in die Spur zu schicken. Auch eine Gruppe um Ko-Autor Kim Janda vom Scripps Research Institute in San Diego hatte früher bereits experimentelle Impfstoffe entwickelt, die sich jedoch nicht einfach in klinischen Versuchen einsetzen ließen.

Jetzt veränderten die Forscher ein bereits in den 1990er Jahren entwickeltes synthetisches Kokain-Teilgerüst derart, dass es sich an ein sogenanntes Adenovirus binden ließ, ein weit verbreitetes Erkältungsvirus. Dem Virus wurden die krank machenden Komponenten entfernt, so dass es lediglich als Transportmittel für die Kokain- Impfung funktionierte. Labormäuse, die den Impfstoff gespritzt bekamen, entwickelten tatsächlich Antikörper gegen Kokain, die im Reagenzglas auch das Rauschgift verschlangen. Bekamen die geimpften Labormäuse Kokain, seien sie sehr viel weniger hyperaktiv gewesen als ihre ungeimpften Artgenossen, berichten die Wissenschaftler.

«Wir glauben, dass dieser Ansatz sehr vielversprechend ist, um auch Sucht bei Menschen zu bekämpfen», sagte Studienleiter Crystal. Die Wissenschaftler wollen möglichst bald entsprechende klinische Tests beginnen. Allein in den USA seien 5,3 Millionen Menschen von Kokain und 1,1 Millionen von Crack abhängig. Helfen könne auch eine derartige Therapie allerdings nur den Menschen, die wirklich den Willen hätten, von der Droge wegzukommen.

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