Zu nah, zu laut: Ein Flugzeug beim Landeanflug in Düsseldorf. Foto: David Young
Zu nah, zu laut: Ein Flugzeug beim Landeanflug in Düsseldorf. Foto: David Young

Zu nah, zu laut: Ein Flugzeug beim Landeanflug in Düsseldorf. Foto: David Young

dpa

Zu nah, zu laut: Ein Flugzeug beim Landeanflug in Düsseldorf. Foto: David Young

Mainz (dpa) - Fluglärm führt einer neuen Mainzer Studie zufolge zu Gefäßschäden und langfristig zu mehr Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zu diesem Schluss kommt ein Team um den Kardiologen Thomas Münzel von der Universitätsmedizin Mainz.

Das Thema ist emotional und politisch aufgeladen. Anwohner und Flughafen-Betreiber streiten seit Jahren über Gesundheitsrisiken durch Fluglärm. Münzels Arbeit steht in einer Reihe von teils widersprüchlichen Studienresultaten. Er selbst ist von Fluglärm betroffen und ein erklärter Gegner davon. Die wichtigsten Antworten zu der neuen Untersuchung:

Um was geht es?

2013 wiesen Forscher aus Mainz und Pennsylvania (USA) unter der Leitung von Münzel nach, dass simulierter Nachtfluglärm die Konzentration des Stresshormons Adrenalin im Körper erhöht und die Funktion der Gefäße beeinträchtigt. Nun erklären Münzel und 15 weitere Wissenschaftler im «European Heart Journal», über welche Mechanismen die Gefäßschäden zustande kommen. Ihre Erkenntnisse beruhen auf Tierversuchen.

Was haben die Forscher genau gemacht?

Die Wissenschaftler simulierten im Mäusestall über mehrere Tage hinweg die Geräuschkulisse, die durch Flugzeuge entsteht. Der Fluglärm erreichte dabei eine Lautstärke von bis zu 85 Dezibel. Dabei untersuchten die Forscher, wie die Mäuse darauf im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, die keinem Fluglärm ausgesetzt war, reagierten.

Was kam dabei heraus?

Bereits nach einem Tag habe Fluglärm eine Gefäßstörung (endotheliale Dysfunktion) ausgelöst und den Pegel von Stresshormonen wie Adrenalin, Noradrenalin und Cortison steigen lassen, berichtete Münzel. Dies führe zu Bluthochdruck. Die Hormone aktivieren laut Studie die Innenschicht der Gefäße, was für eine höhere Durchlässigkeit von Entzündungszellen sorge. Zugleich würden unter anderem zwei Enzyme aktiv, die große Mengen freie Radikale bildeten - das sind Molekülteilchen, die Zellen schädigen können. Bei der Kontrollgruppe seien diese Effekte nicht aufgetreten.

Was heißt das für diejenigen, die von Fluglärm betroffen sind?

Die Forscher halten es für möglich, dass körperliches Training oder Herzmedikamente wie etwa Blutdrucksenker in der Lage sind, die Schäden einer solchen Gefäßfunktion durch Fluglärm zu korrigieren oder künftige Schäden sogar zu verhindern. Das müsse aber noch getestet werden, sagte Münzel. Das Wichtigste sei jedoch, Fluglärm zu reduzieren.

Gab es früher schon Untersuchungen zu Fluglärm und Erkrankungen?

Die Mainzer Studie von 2013 - Vorläufer der neuen Untersuchung - zeigte, dass sich die Gefäßschädigung durch Fluglärm mit Vitamin C korrigieren lässt. Im gleichen Jahr ergaben Studien im Auftrag des Umweltbundesamtes zum Nachtflugverkehr am Airport Köln/Bonn unter anderem ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. 2014 veröffentlichte die Mainzer Uniklinik eine Studie, nach der Fluglärm bei Patienten mit koronarer Herzerkrankung oder einem hohen Risiko dafür zu deutlichen Gefäßschäden und erhöhtem Blutdruck führt.

Gibt es auch Studien, die zu einem anderen Schluss kommen?

2015 kam die Untersuchung NORAH (Noise-Related Annoyance, Cognition and Health) im Auftrag des Landes Hessen heraus. Sie ergab: Fluglärm erhöht das Depressionsrisiko, hat aber keinen Effekt auf den Blutdruck, ein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bestehe eher bei Bahnlärm.

Wer sind die Autoren der neuen Mainzer Studie?

Leiter Münzel forscht seit Jahren über den Zusammenhang von Fluglärm und Erkrankungen. Er ist Betroffener des Lärms, der im Zuge neuer Flugrouten und der neuen Landebahn am Frankfurter Flughafen zugenommen hat. Münzel ist sehr aktiv im Kampf gegen Fluglärm.

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