Washington/Boston (dpa) ­ Schon Vorfahren des modernen Menschen haben im Vergleich zu Affen größere Babys auf die Welt gebracht. Dies wertet ein US-Forscher als Hinweis darauf, dass es schon früher als angenommen eine Arbeitsteilung beim Großziehen der Kinder gegeben haben muss.

Jeremy DeSilva von der Universität in Boston zieht seine Erkenntnisse unter anderem aus Untersuchungen fossiler Knochen, bereits vorliegenden Studien sowie Rechenmodellen über die Gehirngröße von Menschenaffen. Die Ergebnisse sind in den «Proceedings» der US-Akademie der Wissenschaften veröffentlicht.

Menschenkinder heute wiegen laut DeSilva etwa sechs Prozent des Gewichts ihrer Mütter. Die Neugeborenen von Schimpansen hingegen bringen es auf etwa drei Prozent. Größere Kinder auf die Welt zu bringen erfordert Veränderungen in den Geburtstechniken, im Energiehaushalt und bei Bewegungen, schreibt DeSilva. Es entstehen dadurch auch höhere Ansprüche, sich um den Nachwuchs zu kümmern, etwa beim Tragen.

Forscher argumentieren, dass die Entwicklung eines vergleichsweise höheren Geburtsgewichts einher gegangen sein muss mit der Entwicklung des aufrechten Gang des Menschen, sowie der Fürsorge anderer Familienmitglieder für das Baby. Laut DeSilva ist jedoch bislang ungeklärt, ab wann Vorläufer des Menschen größere Kinder auf die Welt gebracht haben.

DeSilva untersuchte unter anderem Knochenteile von Oberschenkeln und Fußknöcheln der Gattung Australopithecus. Dieser Vormensch soll sich vor rund vier Millionen Jahren entwickelt haben. Laut den Berechnungen könnten die Australopithecus-Babys fünf Prozent des mütterlichen Gewichts gewogen haben ­ und damit mehr als Affenkinder und etwas weniger als heutige Menschenbabys. Die Gattung Ardipithecus hingegen, die etwa 4,4 Millionen Jahre alt ist, brachte vermutlich Kinder zur Welt, deren Geburtsgewicht noch mit dem von Affen verglichen werden könnte.

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