Der Darm im Modell
Eine Frau steht in München in dem begehbaren Modell eines menschlichen Darms (Archivbild). Zehntausende Menschen sterben jedes Jahr in Deutschland an Darmkrebs.

Eine Frau steht in München in dem begehbaren Modell eines menschlichen Darms (Archivbild). Zehntausende Menschen sterben jedes Jahr in Deutschland an Darmkrebs.

dpa

Eine Frau steht in München in dem begehbaren Modell eines menschlichen Darms (Archivbild). Zehntausende Menschen sterben jedes Jahr in Deutschland an Darmkrebs.

Calgary/San Francisco (dpa) - Neuartige Tests auf Blut im Stuhl sind nach den Berechnungen kanadischer Forscher die beste und kostengünstigste Methode bei der Darmkrebs-Vorsorge. Bei diesen Tests wird der Stuhl mit Hilfe von Antikörpern auf Blutspuren untersucht (Fecal Immunochemical Tests, FIT).

Die Forscher um Branden Manns von der Universität in Calgary verglichen diese Tests unter anderem mit den derzeit auch in Deutschland gängigen Stuhltests und einer vorsorglichen Darmspiegelung. Die Ergebnisse sind im Online-Journal «PLoS Medicine» (November 2010, Volume 7, Ausgabe 11, e1000370) veröffentlicht.

Der Vorteil jährlicher FIT-Stuhltests im Vergleich zur üblichen Darmspiegelung alle zehn Jahre sei, dass es häufiger Gelegenheit gebe, Auffälligkeiten zu entdecken, schreiben die Autoren. Am Rechner wurden zwei Gruppen von Studienteilnehmern zwischen 50 und 64 Jahren sowie 65 bis 75 Jahren entworfen, die jeweils ein durchschnittliches Risiko für Darmkrebs hatten.

Das Team errechnete, dass von 100 000 Menschen ohne Screening 4857 Menschen an Darmkrebs erkranken und 1782 sterben würden. Mit einem jährlichen Stuhltest auf Antikörper könnten die Zahlen auf 1393 Erkrankte und 457 Darmkrebs-Tote gesenkt werden. Ihr Einsatz sei zudem am kostengünstigsten für das gesamte Gesundheitssystem. Eine Darmspiegelung alle zehn Jahre ergab nach dieser Rechnung rund 624 Todesfälle, ein gewöhnlicher Stuhltest pro Jahr rund 1300 Tote.

Das deutsche gesetzliche Programm zur Krebsfrüherkennung bietet für Menschen ab 50 Jahren diesen gewöhnlichen Test auf Blut im Stuhl an. Dafür werde in der Regel ein sogenannter Guajak-basierter Test genutzt, der jedoch vergleichsweise wenige Erkrankungsfälle anzeige, sagte Prof. Hermann Brenner vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. Die neuen immunologischen Tests zeigten deutlich mehr Erkrankungen an. Es gebe dabei derzeit aber noch zu häufig «falschen Alarm».

Die immunochemischen Tests werden bislang nicht von den Gesetzlichen Kassen erstattet, sondern gelten als Individuelle Gesundheitsleistung. Vom 55. Lebensjahr an können die Versicherten kostenlos an einer Früherkennungsdarmspiegelung teilnehmen. In der vergangenen Woche hatte das DKFZ Zahlen über dieses Screening veröffentlicht. Bundesweit werden den Berechnungen zufolge von 2003 bis Ende 2010 mehr als 98 700 Darmkrebsfälle durch Früherkennungs- Darmspiegelungen verhindert worden sein. Weitere rund 47 000 Erkrankungen wurden demnach frühzeitig, in einem meist heilbaren Stadium entdeckt.

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