Düsseldorf (dpa) - Die Behandlung von Herzinfarktpatienten mit adulten Stammzellen machte den deutschen Herzspezialisten Bodo-Eckehard Strauer weltweit bekannt. Nun sind erneut Zweifel an seinen Publikationen aufgekommen.

Bereits Ende des vergangenen Jahres gab es den Verdacht, Strauer habe wissenschaftlich nicht einwandfrei gearbeitet. Nun haben drei Wissenschaftler des Londoner Imperial College nach Medienberichten in Strauers Publikationen mehr als 200 Widersprüche entdeckt.

Die Universität Düsseldorf, an der Strauer bis zu seiner Emeritierung arbeitete, wollte die neuerlichen Vorwürfe am Freitag nicht kommentieren. Strauers Anwalt widersprach den Anschuldigungen.

Als die ersten Zweifel an Strauers Veröffentlichungen im Dezember 2012 bekanntwurden, hatte die Universität eine interne Untersuchung eingeleitet. Unter anderem soll eine Kommission externer unabhängiger Experten den Fall prüfen. Ein Ergebnis steht bisher noch aus. Strauer war bis zu seiner Emeritierung mehr als 20 Jahre Leiter der Kardiologie an der Uni-Klinik.

Er hatte 2001 weltweit zum ersten Mal einen Herzinfarktpatienten mit dessen eigenen Knochenmark-Stammzellen behandelt. Dem Patienten waren die Stammzellen in das vom Absterben bedrohte Herzgewebe gespritzt worden. Die Meinungen über diese Therapie, die auch danach angewendet wurde, gehen in der Fachwelt auseinander.

Experten wie Göttinger Herzspezialist Gerd Hasenfuß waren im Dezember der Ansicht, dass sich die Knochenmarkzellen nicht in Herzzellen umwandeln, wie anfangs vermutet. Möglicherweise setzten die eingespritzten Zellen aber Botenstoffe frei oder stimulierten andere Zellen, so dass der Heileffekt verbessert werde.

In einer schriftlichen Stellungnahme von Strauers Anwalt Ralf Höcker zu den Anschuldigungen hieß es nun: «Der Hauptautor ist ein Biologe, der meinen Mandanten seit langem zwanghaft mit vermeintlichen Enthüllungen, Anzeigen und Schmähschriften verfolgt.» Für seine «Abrechnung» habe er ein persönliches Motiv. Einer seiner Angehörigen sei Patient bei einer früheren Mitarbeiterin Strauers gewesen.

Bei den Kritikern, die ihre Vorwürfe in der Fachzeitschrift «International Journal of Cardiology» veröffentlichten, handelt es sich um die beiden Kardiologen Darrel Francis und Graham Cole sowie den Biologen Michael Mielewczik.

Die Arbeiten Strauers enthielten Ungereimtheiten, Ungenauigkeiten und Beschönigungen, behaupten sie. Daten seien doppelt verwendet worden und es gebe Rechenfehler. Ob es Placebo-Kontrollen gegeben habe, sei nicht mit Gewissheit zu sagen.

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