Medizin-Nobelpreisträger
John O'́Keefe, May-Britt Moser und Edvard Moser (v.l.) werden mit dem Medizin-Nobelpreis geehrt. Foto: Bertil Ericson

John O'́Keefe, May-Britt Moser und Edvard Moser (v.l.) werden mit dem Medizin-Nobelpreis geehrt. Foto: Bertil Ericson

Die Hirnforscher May-Britt Moser (r) und Edvard Moser aus Norwegen haben zusammen mit John O'Keefe aus den USA den Medizin-Nobelpreis erhalten.

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John O'́Keefe, May-Britt Moser und Edvard Moser (v.l.) werden mit dem Medizin-Nobelpreis geehrt. Foto: Bertil Ericson

Stockholm (dpa) - Für die Entdeckung eines Navis im Gehirn erhalten drei Wissenschaftler in diesem Jahr den Medizin-Nobelpreis. Das norwegische Ehepaar May-Britt und Edvard Moser bekommt die eine Hälfte, der britisch-amerikanische Forscher John O'Keefe die andere.

Die Preisträger haben grundlegende Strukturen unseres Orientierungssinns gefunden. Genau diese Hirnteile werden bereits in einem frühen Stadium von Alzheimer zerstört.

Die Hirnforscher May-Britt Moser und Edvard Moser
John O'́Keefe, May-Britt Moser und Edvard Moser (v.l.) werden mit dem Medizin-Nobelpreis geehrt. Foto: Bertil Ericson

John O'́Keefe, May-Britt Moser und Edvard Moser (v.l.) werden mit dem Medizin-Nobelpreis geehrt. Foto: Bertil Ericson

Die Hirnforscher May-Britt Moser (r) und Edvard Moser aus Norwegen haben zusammen mit John O'Keefe aus den USA den Medizin-Nobelpreis erhalten.

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Die Hirnforscher May-Britt Moser (r) und Edvard Moser aus Norwegen haben zusammen mit John O'Keefe aus den USA den Medizin-Nobelpreis erhalten.

Die höchste Auszeichnung für Mediziner ist mit fast 880 000 Euro (8 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert. Das Karolinska-Institut in Stockholm gab die Namen der Preisträger am Montag bekannt.

«Ich bin immer noch schockiert. Das ist so großartig», sagte May-Britt Moser (51) laut Nobel-Komitee. Sie sei vor Freude in ihrem Institut herumgetanzt. Ihr Mann Edvard (52) saß während der Bekanntgabe im Flugzeug und landete kurz darauf in München.

«Ich bin voller Dankbarkeit. Das ist ein großartiger Moment», sagte Moser später in Jeans und Turnschuhen im Max-Planck-Institut für Neurobiologie in Martinsried bei München, wo er drei Wochen forschen wird. Er habe nicht mit der hohen Auszeichnung gerechnet. Er reagierte bescheiden: «Ich bin davon überzeugt, dass unsere Arbeit wichtig ist, aber es gibt so viele wichtige Arbeiten.»

Das Ehepaar Moser habe die Auszeichnung wirklich verdient, sagte der Neurowissenschaftler Prof. Helmut Kettenmann vom Max-Delbrück-Centrum in Berlin. Er beschreibt das Paar als «jung und dynamisch». Die beiden hätten sich schon zu Studienzeiten an der Universität Oslo kennengelernt. May-Britt Moser leitet derzeit das Centre for Neural Computation in Trondheim, ihr Mann das Kavli Institute for Systems Neuroscience in derselben Stadt.

Die drei diesjährigen Preisträger haben laut Nobel-Komitee ein Problem gelöst, das Philosophen wie Immanuel Kant und Wissenschaftler über Jahrhunderte hinweg beschäftigt habe: «Wie kreiert das Gehirn Karten vom Raum um uns herum und wie können wir unseren Weg durch eine komplexe Umgebung finden?» Göran K. Hansson, Sekretär des Komitees ergänzte: «Es ist ein Preis für eine grundlegende Entdeckung dessen, wie unser Gehirn funktioniert.»

Bereits 1971 hatte der gebürtige New Yorker John O'Keefe (74) laut Nobel-Komitee die ersten Komponenten des Navigationssystems entdeckt. Dieser Typ von Nervenzellen im Hippocampus wurde immer aktiviert, sobald eine Ratte an einem bestimmten Ort innerhalb eines Raumes war. Andere Nervenzellen arbeiteten, wenn das Tier woanders saß.

O'Keefe schloss daraus, dass diese Ortszellen im Hirn eine Art Karte des Raumes formen. So könne auch die Erinnerung an eine bestimmte Umgebung gespeichert werden - und zwar als eine spezifische Kombination von aktivierten Ortszellen im Hirn. Derzeit arbeitet O'Keefe am University College in London.

Der emeritierte Oxford-Professor John Stein erinnerte daran, wie skeptisch O'Keefes Leistungen zunächst in der Fachwelt beäugt worden seien. Sie seien als Artefakte bezeichnet und O'Keefe bezichtigt worden, den Geruchssinn von Ratten unterschätzt zu haben.

Im Jahr 2005 entdeckten May-Britt und Edvard Moser neben dem Hippocampus weitere Schlüsselkomponenten zur Orientierung. Diese sogenannten Rasterzellen dienen dazu, einen Weg zu finden. Danach ermittelten sie, wie Ortszellen im Hippcampus und Rasterzellen bei der Orientierung zusammenarbeiten.

Jüngste Studien mit bildgebenden Verfahren haben gezeigt, dass diese Elemente alle auch beim Menschen existieren. Bei Alzheimer-Patienten sind sie unter den ersten, die zerstört werden, weshalb den Kranken die Orientierung schwerfällt. Möglicherweise können die Erkenntnisse einmal zur Therapie beitragen, schreibt die Körber-Stiftung in Hamburg, deren renommierten Preis das Ehepaar Moser vor einem Monat verliehen bekommen hatte.

«Die Fähigkeit, zu wissen, wo wir sind und unseren Weg zu finden, sind bedeutend für unserer Existenz», sagte Ole Kiehn vom Karolinska-Institut. Nach Auffassung des Nobel-Komitees hat die Entdeckung des Navis im Hirn zu einem «Paradigmenwechsel» geführt. «Sie hat neue Wege geöffnet für unser Verständnis über andere kognitive Prozesse wie Erinnern, Denken und Planen.»

Am Dienstag und Mittwoch werden die Träger des Physik- und des Chemie-Nobelpreises benannt. Die Überreichung findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.

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