Hamburg (dpa) ­ Transplantationsforscher aus Hamburg haben menschliches Lebergewebe im Labor gezüchtet. Darüber berichtet das Team um Jörg-Matthias Pollok vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) in der Februar-Ausgabe des Fachjournals «Liver Transplantation».

Die Gruppe setzt auf neue therapeutische Möglichkeiten für Menschen, die neues Lebergewebe benötigen. So könnten zukünftig mehrere Patienten mit den Zellen von nur einer Spenderleber behandelt werden, teilte das UKE am Freitag mit.

Wissenschaftler weltweit arbeiten an Techniken zur Züchtung von Lebergewebe, unter anderem mit tierischen Zellen und menschlichen Zelllinien aus dem Labor. Alternativen zur Transplantation von Spenderlebern werden unter anderem beim Einpflanzen von Leberzell-Lösungen gesucht. Diese Zellen litten aber häufig bei der Aufbewahrung, so Pollok. Dies sei ein Grund dafür, warum diese Methode bislang wenig erfolgreich sei. «Neu an unserer Forschung ist, dass wir aus menschlichem Lebergewebe frische, neue Zellen gewonnen haben, und diese zur Gewebeanzucht verwenden», sagte Pollok der dpa.

Pollok und Kollegen arbeiteten mit zwölf Proben von menschlichem Lebergewebe und isolierten daraus Zellen. Sie kultivierten die Zellen in Stützgewebe aus einer Substanz, die sich nach einer Weile selbst auflöst. «Darin gleichen die Stützgewebe chirurgischen Nahtmaterialien.» Nach einigen Tagen hatten sich laut Pollok kugelige Gewebeverbände gebildet, die wie Lebergewebe aussahen und funktionierten. «Sie produzierten beispielsweise die Eiweiße Albumin und a-Antitrypsin», sagte der Mediziner. Die Hoffnung sei, dass sich mit dem schon vor der Transplantation gezüchteten Lebergewebe bessere Ergebnisse erzielen lassen als mit den Zell-Lösungen. Bis zur klinischen Anwendung dieser Grundlagenforschung werde es aber noch einige Jahre dauern.

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