Dummerstorf (dpa) - Angesichts des weltweit drastisch steigenden Bedarfs an Fleisch, Milch und Eiern müssen Nutztiere nach Ansicht des Genetikers Manfred Schwerin künftig erheblich mehr Leistung bringen.

«Nur so kann die Forderung nach mehr tierischem Protein mit der notwendigen Verminderung der Treibhausgase aus der Tierhaltung in Einklang gebracht werden», sagte der Chef des Leibniz-Instituts für Nutztierbiologie in Dummerstorf bei Rostock in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Die Nutztierhaltung verursacht einen beträchtlichen Anteil des globalen, durch die Landwirtschaft verursachten Ammoniak- und Methan-Ausstoßes.

Die Nachfrage sei nicht einfach durch mehr Tiere zu befriedigen, dafür stünden die Flächen nicht zur Verfügung. «Das geht nur, wenn neue Produktionsverfahren entwickelt werden, um einen höheren Flächenertrag bei der Futterproduktion und gleichzeitig mehr Leistung bei den Tieren zu bekommen.» Dass das möglich ist, zeigt nach Angaben des Experten die Entwicklung bei der Milchproduktion: In Mecklenburg- Vorpommern etwa wurden 1991 mit 345 000 Kühen rund 1,6 Millionen Tonnen Milch produziert, 2001 waren es 1,5 Millionen Tonnen mit 180 000 Kühen. Allein dadurch sei die Methan-Ausscheidung pro Kilogramm essbarem Protein (Fleisch, Milch) um rund 70 Prozent und der Flächenbedarf um 40 Prozent verringert worden.

Wege zu einer größeren Menge an Fleisch, Milch und Eiern seien die Versorgung der Tiere mit hochwertigem Futter und der konsequente züchterische Fortschritt. Dies bedeute in erster Linie neue gendiagnostische Verfahren. Die genomische Selektion, also die Darstellung der gesamten Erbsubstanz eines Organismus und die anschließende Selektion, werde die Nutztierzucht komplett verändern.

Auch der zunehmend kritischen Haltung der Verbraucher müsse Rechnung getragen werden. «Leistungssteigerung ohne Beachtung der Gesundheit und des Wohlbefindens der Tiere wird künftig nicht mehr möglich sein.» Weltweit müssten die Standards erhöht werden.

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