Der Biologie-Professor Dittmar Graf mahnt: Die Schule muss ihrer Verantwortung gerecht werden.

Düsseldorf. Vor 150 Jahren veröffentlichte Charles Darwin (Foto) sein bahnbrechendes Buch "Über die Entstehung der Arten". Doch immer noch zweifeln viele an seiner unter Wissenschaftlern praktisch unangefochtenen Evolutionstheorie.

Während in den USA eine Mehrheit von 54 Prozent nicht glaubt, dass der Mensch sich aus früheren Lebensformen entwickelt hat, stimmen in Deutschland immerhin 61 Prozent mit der wissenschaftlichen Theorie überein. Allerdings heißt das auch: Rund jeder Dritte steht dem Kreationismus nahe. Dem Glauben, dass die Arten ein für allemal von einem Schöpfer erschaffen wurden.

Dittmar Graf, Biologieprofessor an der Uni Dortmund, sieht eine Ursache für diese Umfragewerte darin, dass die Evolutionstheorie im Biologieunterricht zu spät und nicht in ausreichender Stundenzahl gelehrt wird. "Dabei ist die Evolutionslehre doch der Kleber, der alles zusammenhält", sagt Graf. Ihn bedrückt, dass es selbst unter Studenten entsprechende Zweifel gibt.

Aktuelle Studien an drei Hochschulen bestätigen laut Graf einen Trend, den eine an der Uni Dortmund vor zwei Jahren durchgeführte Befragung unter Lehramtsstudenten aufzeigte. Selbst von denjenigen Befragten, die in der Oberstufe einen Biologie-Leistungskurs besucht hatten, lehnten 7,7 Prozent die Evolutionstheorie ab.

Bei den Biologie-Grundkursteilnehmern waren es sogar 17 Prozent. "Das sind diejenigen, die die Verantwortung haben, künftige Generationen auszubilden", mahnt Graf. Weil sich eine Wissensgesellschaft dies nicht leisten könne, müsse der Stellenwert der Evolutionstheorie in der Schule erhöht werden. Die Evolution ist zwar im Lehrplan für die Jahrgänge 9 und 10 ein "obligatorisches Inhaltsfeld". Ein Stundenvolumen ist laut Schulministerium dafür aber nicht vorgegeben.

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