Wer sein Exemplar in einen öffentlichen Behälter stellt, muss damit rechnen, dass es ein anderer mitnimmt.

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Düsseldorf. Gut beschirmt hat der Fußgänger beim aktuellen Regenwetter die besseren Karten. Zumindest so lange, bis er – meist unfreiwillig – am Schirm-Lotto teilnimmt.

Und das geht so: Wer ins Restaurant, zum Arzt oder ins Büro kommt, stellt den durchnässten Begleiter zum Abtropfen in einen Eimer. Kommt man später zurück und will wieder hinaus in den Regen, kann es passieren, dass der eigene Schirm fehlt und stattdessen nur ein ähnlicher, aber fremder verfügbar ist.

Nun ist es sicher unfair, den Mitmenschen Vorsatz zu unterstellen. Dennoch fällt auf: Selten verbessert man sich, wenn man passiv am Schirm-Lotto teilnimmt – meist hat der „neue“ Schirm ein paar Mängel mehr als der alte. Das lässt sich verschmerzen, wenn man nicht öfter in Folge unfreiwillig am Schirm-Roulette teilnimmt. Dann wird es ärgerlich.

Schirme von Qualität sind eine Rarität geworden

Vor allem, wenn man einmal mit einem guten Exemplar gestartet ist – wie etwa dem in Solingen erfundenen Knirps. Denn die sind mittlerweile die Ausnahme und daher heiß begehrt. „Mehr als 26 Millionen Schirme werden im Jahr verkauft“, bilanziert der Essener Schirmmachermeister Willy Schüffler, „doch 99 Prozent sind Wegwerfprodukte aus China“.

Die Menschen rechnen offenbar bereits damit, dass der Gebrauchsgegenstand binnen kurzer Zeit beschädigt oder ganz weg ist.

„Dabei war der Schirm einmal ein Herrschaftssymbol“, erklärt Schüffler, der pro Jahr rund 2000 Exemplare fertigt – robust genug, um bis zu 30 Jahre Wind und Wetter zu trotzen.

Doch wie verteidigt man so ein Exemplar gegen das Schirm-Lotto? Der Meister rät: „Einen besonderen Stoff auswählen, der den Schirm zum Unikat macht.“ Dann sei unabsichtliche Verwechslung ausgeschlossen. Und wer doch Vorsatz vermutet, der kann laut Schüffler wirklich auf Nummer sicher gehen: indem er sein eigenes Foto auf den Schirmstoff drucken lässt und diesen damit sofort identifizierbar macht.

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