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Einwohner von Mexiko City versuchen mit einem Mundschutz die Gefahr einer Ansteckung zu verringern.

Einwohner von Mexiko City versuchen mit einem Mundschutz die Gefahr einer Ansteckung zu verringern.

Einwohner von Mexiko City versuchen mit einem Mundschutz die Gefahr einer Ansteckung zu verringern.

Mexiko-Stadt/Genf/New York (dpa) - Der Ausbruch der Schweinegrippe in Nordamerika mit mehr als 80 Toten hat Staaten weltweit in Alarmbereitschaft versetzt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sprach von einem Gesundheitsnotfall internationalen Ausmaßes.

In den USA gab es bis zum Sonntag 20 bestätigte Krankheitsfälle, davon 8 Schüler eines Privatgymnasiums in New York - keiner der US-Patienten war bis dahin gestorben. Zahlreiche Länder trafen Vorbereitungen, um ein Einschleppen des Virus aus Mexiko und den USA zu verhindern. Mexikanische Behörden spürten mögliche Grippekranke in Wohnungen und auf Bahnhöfen auf. Russland sprach eine Reisewarnung für Mexiko aus.

In Zentralmexiko stieg die Zahl der Grippetoten auf 86, bei 20 dieser Todesfälle ist der mutierte Schweinegrippeerreger vom Typ H1N1 bereits nachgewiesen worden. Bei über 1300 Grippekranken wird untersucht, ob ein Zusammenhang zu der Schweinegrippe besteht.

Präsident Felipe Calderón stattete die Gesundheitsbehörden mit Sondervollmachten aus, um die Epidemie einzudämmen. Die Behörden sollen unter anderem das Recht haben, Wohnungen zu betreten, um Grippekranke aufzuspüren, sie zu isolieren und zu behandeln. Auf allen Flughäfen und Busbahnhöfen waren medizinische Teams, auch in Begleitung von Soldaten und Polizisten im Einsatz, um Grippekranke aufzuspüren.

In Mexikos Hauptstadt-Region sind seit Freitag alle Schulen geschlossen, Großveranstaltungen sind verboten. Fußballspiele werden ohne Publikum ausgetragen. Und auch die Katholische Kirche hat die Pforten ihrer Kirchen für Sonntagsmessen schließen müssen. Die Regelungen gelten zunächst bis zum nächsten Wochenende.

Das feierliche Hochamt von Kardinal Norberto Rivera in der geschlossenen Kathedrale von Mexiko-Stadt wurde im Fernsehen übertragen. «Das Wohl der Menschen betrifft nicht nur ihre spirituelle Gesundheit, sondern auch die körperliche Unversehrtheit», sagte der Kardinal zur Begründung für die Maßnahme.

Die US-Gesundheitsbehörde CDC erwartet nach den 20 bestätigten Fällen von Schweinegrippe in den Vereinigten Staaten weitere Erkrankungen und dabei auch ernstere Fälle als bisher. «Wir werden ein breiteres Spektrum der Krankheit sehen», sagte der amtierende CDC-Direktor Richard Besser am Sonntag auf einer Pressekonferenz des Weißen Hauses. «Die Krankheit wird sich weiter ausbreiten. Wir betrachten dies als einen Marathon.» Die Behörde hat erste Hinweise darauf, dass die Grippemedikamente Tamiflu und Relenza bei der Schweinegrippe wirksam sind.

Nach den Angaben von Heimatschutzministerin Janet Napolitano sollte in den USA noch am Sonntag ein «Gesundheitsnotstand» ausgerufen werden. Die Ministerin beruhigte jedoch zugleich, dass dies eine «Standardprozedur» sei, um zusätzliche Bundesgelder etwa für Vorsorgemaßnahmen und Medikamente frei zu machen. Napolitano zufolge werden die Grenzen zu Mexiko verstärkt überwacht. Präsident Barack Obama habe Mexiko seine «volle Unterstützung» bei der Bewältigung der Herausforderung zugesagt, sagte der Heimatschutzberater im Weißen Haus, John Brennan.

In den USA gibt es nach CDC-Angaben acht bestätigte Schweinegrippe-Fälle in New York, einen in Ohio, zwei in Kansas, zwei in Texas und sieben in Kalifornien.

In Spanien gab es zunächst drei und in Frankreich vier Verdachtsfälle. Die Patienten waren mit leichten Grippesymptomen aus Mexiko gekommen, der Erreger wurde bei ihnen aber noch nicht exakt bestimmt. In Neuseeland wurden zehn Schüler nach der Rückkehr aus Mexiko zu Hause unter Quarantäne gestellt. Die Schüler im Alter von 15 bis 18 Jahren hatten über grippeähnliche Symptome geklagt und warten nun ebenfalls auf Testergebnisse.

Die WHO zeigte sich besorgt, sah sich aber gut gerüstet. Die Welt sei diesmal auf eine Grippewelle weitaus besser vorbereitet als früher. Dazu hätten die Erfahrungen mit der Vogelgrippe in den vergangenen Jahren beigetragen, erklärte der amtierende WHO- Generaldirektor für Gesundheitssicherheit und Umwelt, Keiji Fukuda, am Sonntag in Genf. Allerdings fehle es derzeit noch an genauen Informationen, wie die Entwicklung der Schweinegrippe in Mexiko und den USA verlaufe. «Das Bild entwickelt sich», sagte Fukuda. Deswegen werde man bis Dienstag warten, bis eine weitere WHO-Expertengruppe in Genf die Lage analysiert habe und gegebenenfalls Maßnahmen wie Reise- oder Handelsbeschränkungen vorschreibt. WHO-Generaldirektorin Margaret Chan hatte zuvor erklärt, der Ausbruch berge das «Potenzial einer Pandemie», also einer weltweiten Ausbreitung.

Die Schweinegrippe in Mexiko löste weltweit Alarm aus. Die russische Regierung empfahl ihren Bürgern, nur dringende Reisen nach Mexiko zu unternehmen. Die meisten Staaten Lateinamerikas versetzten ihre nationalen Gesundheitssysteme in einen erhöhten Bereitschaftszustand. Außerdem wurden Kontrollmaßnahmen für alle aus Mexiko und den USA eintreffenden Reisenden angeordnet. Die Maßnahmen beschränkten sich am Sonntag jedoch auf das Fiebermessen auf den Flughäfen. In Deutschland sprach das Auswärtige Amt keine Reisewarnung für Mexiko aus. Es wies jedoch auf seinen Internetseiten auf den Ausbruch hin und empfiehlt Reisenden, «die Medienberichterstattung aufmerksam zu verfolgen».

Das Robert Koch-Institut erörterte mit den Bundesländern Empfehlungen für deutsche Flughäfen. Ein Sprecher des Münchner Flughafens sagte dem Radiosender «Antenne Bayern», man bereite sich auf Verdachtsfälle vor. Es gebe einen mit den Gesundheitsbehörden abgestimmten Alarmplan. In Halle forderte der Seuchenexperte Alexander Kekulé Vorsichtsmaßnahmen gegen die internationale Ausbreitung der Schweinegrippe. «Wir müssen zumindest die Menschen warnen, die derzeit aus Mexiko einreisen», schrieb der Virologe der Universität Halle. Wichtig sei, sie mit einem Informationsblatt über mögliche Symptome zu informieren.

«Die Gesundheitsbehörden sind vorbereitet, falls in Deutschland Verdachtsfälle auftreten sollten», betonte das Bundesgesundheitsministerium. Sie stünden in Verbindung mit internationalen Gesundheitsbehörden und beobachten die Lage in Mexiko und den USA genau. Die Gesundheitsämter und Flughäfen erhielten ebenfalls Informationen und Empfehlungen.

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