Michy Reincke
Zum Niederknien: Michy Reincke. Foto: Tristan Ladwein

Zum Niederknien: Michy Reincke. Foto: Tristan Ladwein

dpa

Zum Niederknien: Michy Reincke. Foto: Tristan Ladwein

Berlin (dpa) - Der Hamburger Sänger, Musiker, Songwriter und Musikverleger Michy Reincke (52) ist lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass der 23. Dezember ein seltsamer Termin ist, um Songs zu veröffentlichen.

Das große Weihnachtsgeschäft, auf das seine Branche jedes Jahr bereits ab September schielt, ist dann so gut wie gelaufen.

Reincke lässt sein neues Album dennoch erst einen Tag vor dem großen Christ- und Geschenkefest erscheinen. «Der Name kommt mir nicht bekannt vor» heißt es. Doch das liest man erst beim Umdrehen der Platte: Auf der Vorderseite der CD kommt der Künstler ganz ohne Worte aus. Das Cover zeigt - allen Marketingregeln zum Trotz - nur einen Mann - wahrscheinlich Reincke - im dunklen Anzug von hinten, barfuß, kniend, oben auf einer langen, steinernen Treppe, die in eine südländisch anmutende Landschaft führt.

Ungewöhnliche Perspektiven und Wege sind es, die den Norddeutschen interessieren. Er wolle mit seiner «namenlosen» Platte dafür werben, «sich zu öffnen und mit Dingen zu beschäftigen, die man noch nicht kennt», sagt der Künstler im Promotionvideo auf seiner Website (www.michyreincke.de). Er wolle mit seiner Musik dazu anstiften, jede Form der Wirklichkeit neu zu entdecken und von anderen Seiten zu betrachten als immer nur ewig gleiche Bilder zu registrieren.

Mag sich das ein bisschen nach Philosophie im Erstsemester anhören, wird Reincke in seinen 13 Songs - darunter seine Coverversion des Klassikers «Oh, Champs-Elysées» - durchaus konkreter. Er will nicht nur Unterhalter sein, sondern zeigt sich als ein genauer Beobachter und Zuhörer, der es vermag, Gedanken und Gefühle, An- und Einsichten in griffige Sprache und eingängige Popmelodien zu verpacken ohne dabei je ins Klischeehafte abzurutschen.

Wie jeder gute Autor hält er sich mit Superlativen zurück. Jetzt macht er aber einmal ein Ausnahme, wenn er über «Das schönste traurige Mädchen mit der schlechtesten Laune der Welt» singt. Ob dieser Song ein großer Hit wird wie ihn Reincke 1984 mit seiner ehemaligen Band Felix De Luxe im «Taxi nach Paris» landete, bleibt abzuwarten. Sollte aber jemals ein Preis für den kuriosesten Songtitel des Jahres 2011 vergeben werden, ist Reincke jetzt schon dafür nominiert.

In seiner Heimatstadt, der er auf seinem neuen Album die Hymne «In Hamburg ist das anders» widmet, tritt Reincke vom 21. bis 23. Dezember im «Schmidts Tivoli» an der Reeperbahn auf. Alle drei Konzerte sind allerdings bereits ausverkauft. Ab 1. März 2012 geht er dann auf Tour.

Konzerte 2012 (Auswahl): 1.3. Leipzig, 9.3. Magdeburg, 16.3. Flensburg, 19.4. Frankfurt/Main, 22. 4. Köln, 4.5. Berlin, 11.5. Lübeck, 16.5. Hamburg

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