An lauen Abenden trifft sich die Jugend von Paris gern mal auf eine Runde Pétanque. Das alte Spiel dient auch als Kontaktbörse.

Axel Heimken

Paris. Ein Abend in Paris. Am Bassin de la Villette, im 19. Bezirk, herrscht reges Treiben. Kinder, Jugendliche und Erwachsene stehen in kleinen Gruppen zusammen. Unter die leger gekleidete Menge mischen sich Männer in Anzügen und Frauen in schicken Kleidern und High Heels. Viele hier halten glänzende Metallkugeln in der Hand, etwas kleiner als Tennisbälle – es wird Pétanque gespielt.

Pierre-Yves Corre ist einer der Spieler. Mit seinem Fuß zieht er einen kleinen Kreis auf dem sandigen Boden, stellt sich hinein, und wirft eine Kugel durch die Luft. „Ziel ist, so nah wie möglich an den Cochonnet zu kommen.“ Er deutet auf eine kleinere Kugel, die etwa sieben Meter entfernt auf der Erde liegt. Dort müssen beide Teams ihre Kugeln so nahe wie möglich heranbringen.

In Frankreich hat das Spiel Tradition. In Deutschland wird es oft mit Boule – dem Oberbegriff für Kugelsportarten – verwechselt, während Pétanque lediglich eine Version ist. Auch hierzulande sind solche Kugelsportarten längst bekannt.

„Man kommt leicht mit anderen ins Gespräch, spielt gemeinsam und trifft sich auch danach immer wieder.“

Diego Valentirra

Vom südfranzösischen „Pè tanca“ (Füße am Boden) stammt der Name. „Pétanque ist trendy“, erzählt Miriam Tirler. Die 36-Jährige arbeitet in der Szene-Bar de l’Ourcq, die Kugeln verleiht. „Wir haben dauernd neue Kunden, vor allem junge Leute. Viele kommen nach der Arbeit für eine Runde vorbei, andere organisieren Turniere und feiern so ihren Geburtstag.“

Auch in Deutschland ist Pétanque beliebt. Der deutsche Pétanque Verband schätzt die Zahl der Freizeitspieler auf etwa eine Million. In Frankreich wachsen viele mit dem Spiel auf. Auch Pierre-Yves Corre hat zum ersten Mal als kleiner Junge mit seinen Großeltern gespielt.

Oft wird das Spiel so zur Kontaktbörse. „Man kommt leicht mit anderen ins Gespräch, spielt gemeinsam und trifft sich auch danach immer wieder“, sagt der 30 Jahre alte Informatiker Diego Valentirra.

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