Berufe in der Kreuzfahrt
An Bord von Kreuzfahrtschiffen wie der «Queen Mary 2» ist das Job-Spektrum breiter als in mancher Kleinstadt. (Foto: Cundard)

An Bord von Kreuzfahrtschiffen wie der «Queen Mary 2» ist das Job-Spektrum breiter als in mancher Kleinstadt. (Foto: Cundard)

Kreuzfahrtpassagiere wünschen sich Entspannung. Jobs gibt es an Bord deshalb für Masseure und Physiotherapeuten. (Foto: Aida Cruises)

Service ist nicht nur bei Cunard an Bord gefragt: Unverzichtbar sind Fachkräfte aus der Hotellerie und Gastronomie. (Foto: Cunard)

Für die Feinschmecker an Bord: In der Küche zaubern Köche, Bäcker und Patissiers. (Foto: MSC Kreuzfahrten)

dpa, Bild 1 von 4

An Bord von Kreuzfahrtschiffen wie der «Queen Mary 2» ist das Job-Spektrum breiter als in mancher Kleinstadt. (Foto: Cundard)

Rostock/Berlin (dpa/tmn) - Arbeiten auf einem Kreuzfahrtschiff: Das klingt wie Urlaub für lau. Ist es aber nicht. An Bord geht es oft zur Sache. Jobs gibt es jede Menge, für Kapitäne genauso wie für Bäcker, Zahnärzte und Pianisten.

Klar, auf der Brücke steht der Kapitän. Und Matrosen braucht man auch. Aber an Bord eines Kreuzfahrtschiffes gibt es noch etliche andere Berufe. Die große Mehrzahl sind keine Seeleute, sondern kommen aus der Hotellerie. Aber auch Krankenschwestern und Zahnärzte, Tänzer und Pianisten, Tischler und Elektriker werden an Bord gebraucht.

Auf so manchem Kreuzfahrtschiff ist die Palette an Berufen breiter als in der nächsten Kleinstadt an Land. An Bord von Hapag-Lloyds Flaggschiff «MS Europa» gibt es allein im Hotel- und Gastronomiebereich fast 30 verschiedene Berufe vom Spa Manager über den Deck Steward bis zum Chef de Cuisine. Und die Branche sucht regelmäßig Personal.

Qualifizierte Bewerber zu finden, wird nach Hapag-Lloyds Einschätzung immer schwieriger - auch durch die rückläufige Zahl an Auszubildenden in der Hotellerie und Gastronomie. Entsprechende Fachkräfte seien ausgesprochen gefragt. «Der Bedarf wächst», bestätigt Simone Pfeifer vom Projekt «Meer Arbeit» der Arbeitsagentur im thüringischen Suhl, die sich auf die Vermittlung von Fachkräften in die Kreuzfahrtbranche spezialisiert hat.

Zwischen Sonnendeck und Maschinenraum herrscht allerdings nicht durchgehend Urlaubsstimmung. Und wer auf frühen Feierabend steht, ist an Bord sicher falsch. Teamarbeit ist unverzichtbar. Ressentiments gegen andere Kulturen gehen gar nicht: «Auf einem Schiff wie der 'Queen Mary 2' arbeiten locker Menschen aus 50 Nationen», sagt Ingo Thiel, Sprecher der britischen Traditionsreederei Cunard, für die die «Queen» über die Ozeane fährt. «Das ist eine Mini-UN an Bord, die kommen aus aller Welt.»

Auch bei Aida Cruises sind die Crews multinational: Rund ein Drittel kommt aus Ländern der EU. An Bord der acht Aida-Schiffe sind Mitarbeiter aus Deutschland, Österreich und der Ukraine genauso wie aus Indien oder von den Philippinen. Auf der «Queen Mary 2» arbeiten so viele Menschen wie in einem mittelständischen Unternehmen: rund 1300. «Davon sind 150 nautisches Personal vom Decksmann bis zum Ausguck, der den Horizont absucht», erzählt Thiel. Für Nautiker und Ingenieure gebe es in der Kreuzfahrt Möglichkeiten, die sie an Land nicht haben.

«Kreuzfahrtschiffe sind schwimmende Hotels», sagt Stefanie Heckel vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). «An Bord werden alle Berufe unserer Branche gebraucht, Köche zum Beispiel, Hotel- und Restaurantfachleute. Was die Tätigkeiten angeht, ist das sehr ähnlich.» Allerdings sei es schon eine andere Situation, ständig an Bord zu sein, an ein und demselben Ort bei der Arbeit wie in der Freizeit. «Das ist durchaus eine Herausforderung. Wenn ich im Hotel arbeite, kann ich nach Hause gehen und mich mit meiner Familie und meinen Freunden austauschen.»

«Tatsächlich bleiben die wenigsten ein Leben lang an Bord», sagt Simone Pfeifer. Realistisch seien Zeiträume von drei bis vier Jahren. Die Arbeit auf einem Kreuzfahrtschiff müsse man wirklich wollen. «Die Aussteigerquote liegt bei 15 Prozent während der ersten Saison.» Bei Hochseekreuzfahrten ist das Schiff ganzjährig unterwegs, und die Saison dauert vier bis fünf Monate - Freunde und Familie sind dann weit weg. «Und es ist schon harte Arbeit», sagt Ingo Thiel. «Dafür gibt es auch gute Aufstiegsmöglichkeiten. Talente fallen an Bord einfach schneller auf.» Auch nicht zu verachten: «Die Trinkgelder sind auf einem Kreuzfahrtschiff oft viel höher als im Hotel.»

«Und ich bekomme sechs oder acht Wochen Urlaub am Stück», ergänzt Haike Witzke. Viele junge Leute aus der Hotellerie hätten auch große Lust auf die Arbeit in der Kreuzfahrt, sagt Stefanie Heckel. «Das ist schon ein attraktiver Bereich. Die wollen sich im wahrsten Sinne des Wortes den Wind um die Nase wehen lassen.»

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